Spezialbericht:Nachlese des Terrors
Anstieg der Verteidigungsausgaben profitieren
Staff Reporters des THE WALL STREET JOURNAL
27 September 2001
Original Artikel: http://emperors-clothes.com/german/articles/d-bushladen-i.htm
Eine staatliche Untersuchung der Familiengeschäfte der bin Ladens könnte einige große, mit der US-Regierung assoziierte Namen berühren. Der früherer Präsident Bush ließ durch seine Büroleiterin Jean Becker mitteilen, dass er sich nur an ein Zusammentreffen mit der bin Laden Familie erinnere, welches im November 1998 stattfand. Ms. Becker bestätigte, dass es ein zweites Treffen im Januar 2000 gegeben habe, nachdem ihr das (den Treffen) folgende Dankesschreiben des ex-Präsidenten vorgelesen worden war. »Präsident Bush unterhält keine Beziehungen mit der bin Laden Familie«, sagte Ms. Becker. »Er hat sie zweimal getroffen«.
Spezialbericht:Nachlese des Terrors. Die bin Laden Familie könnte von einem sprunghaften Anstieg der Verteidigungsausgaben aufgrund von Anteilen an einer US-Bank profitieren Von DANIEL GOLDEN, JAMES BANDLER and MARCUS WALKER
Staff Reporters des THE WALL STREET JOURNAL
Wenn die USA in ihrem Bestreben, Osama bin Ladens angebliche terroristische Aktivitäten zu beenden, ihre Verteidigungsausgaben steigern, könnte es dabei einen unerwarteten Begünstigten geben: Herrn bin Ladens Familie.
Der gutbetuchte Saudi-Arabische Clan – der behauptet, dass er sich von Osama entfremdet habe – ist innerhalb seiner weitgefächerten Geschäftsinteressen auch Teilhaber eines von der Carlyle Group etablierten Fonds, eine Washingtoner Handelsbank mit guten Beziehungen, die sich auf den Aufkauf von Firmen der Militärtechnik- und der Raumfahrtindustrie spezialisiert hat.
Durch diese Investition und ihre Verbindungen zum saudischen Königshaus, wurde die bin Laden Familie mit einigen der einflussreichsten Persönlichkeiten der Republikanischen Partei bekannt. Im Lauf der letzten Jahre haben der frühere Präsident Bush, ex Außenminister James Baker und ex Verteidigungsminister Frank Carlucci die Pilgerreise zum Hauptquartier der bin Laden Familie in Djidda, Saudi-Arabien angetreten. Mr. Bush hält Reden zugunsten der Carlyle Group, und ist ein ranghoher Berater für den Asian-Partners-Fund der Carlyle Group, während Mr. Baker deren ranghoher Anwalt ist. Mr. Carlucci ist der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Gruppe.
Osama ist eines von mehr als 50 Kindern von Mohammed bin Laden, der die fünf-Milliarden-Dollar-Firma der Familie, die »Saudi Binladin Group«, aufgebaut hat. Osama hat kurz in dieser Firma gearbeitet, und man glaubt, dass er etwa 50 Millionen in Bargeld und Aktien geerbt hat, auch wenn er keinen Zugang zu seinen Anteilen habe, wie ein Sprecher der Familie sagt. Weil ihm 1994 seine saudische Staatsangehörigkeit entzogen wurde, ist Mr. bin Laden nicht berechtigt, im Königreich Vermögen zu besitzen, fügte der Sprecher hinzu.
Die bin Laden Familie hat seit langem von Osama losgesagt und hat bei mehreren Untersuchungen seiner Aktivitäten durch die USA voll kooperiert. Das durch Osamas Halbbruder Bakr geleitete Familienunternehmen ist Ausdruck und Inbegriff der Allianz zwischen Saudi-Arabien und den USA, gegen die der verdächtigte Terrorist des öfteren wettert. Nach dem Lastwagenbombenanschlag 1996 in Dharan, Saudi Arabien, durch den 19 US-Soldaten getötet wurden, hat die »Saudi Binladin Group« Kasernen und Flugplätze für die US-Truppen gebaut.
Wie eine mit der Materie vertraute Person sagte, hat das »Federal Bureau of Investigation«[FBI] im Zuge der Nachforschung nach Unterlagen über das Geschäftsgebaren der Familie Banken vorgeladen, welche die bin Laden Familie nutzt. Diese Person sagte, dass die Vorladungen jedoch kein Hinweis darauf seien, dass das FBI irgendein verdächtiges Verhalten der Familie festgestellt habe. Ein Sprecher der Familie sagte, dass er von den Vorladungen keine Kenntnis habe, dass aber die Familie sie begrüße und nichts zu verbergen habe.
Mit den Finanzen der Familie vertraute Leute sagen, dass die bin Ladens viele ihrer Bankgeschäfte über die »National Commercial Bank« in Saudi-Arabien und die Londoner Niederlassung der Deutschen Bank AG abwickeln. Sie nutzen auch die »Citigroup Inc.« und »ABN Amro«, sagten diese Leute.
»Wenn jemals irgendeine Gesellschaft eng mit den USA und ihrer Präsenz in Saudi-Arabien verbunden war, dann ist es die ‚Saudi Binladin Group’«
sagt der Präsident des »Middle East Policy Council«, eines Washingtoner gemeinnützigen Unternehmens, das jährlich Tausende von Dollar von der bin Laden Familie erhält. »Sie sind das Establishment, welches Osama umzustürzen versucht.«
Mr. Freeman, US-Botschafter in Saudi-Arabien während des Golf-Krieges, sagte, dass er, seit am 11. September entführte Flugzeuge das World Trade Center und das Pentagon rammten, mit zwei von Osamas Brüdern gesprochen habe. Wie er sagt, sagten jene ihm, dass der FBI in der gegenwärtigen Krise gegenüber der Familie (bin Laden) »bemerkenswert feinfühlig, taktvoll und beschützend« gewesen sei, in Anerkennung derer langjährigen Freundschaft mit den USA.
Ein Geschäftsführer von Carlyle sagte, dass die bin Laden Familie 1995 zwei Millionen US-Dollar durch einen Londoner Investment-Zweig in den Carlyle Partners II Fond eingezahlt hätte, welcher insgesamt 1,3 Milliarden US-Dollar aufgebracht hatte. Der Fond hat unter 29 Geschäften mehrere Raumfahrt-Gesellschaften erworben. Bis jetzt hat die Familie 1.3 Millionen US-Dollar an abgeschlossenen Investitionen zurückerhalten, und sollte letztlich eine jährlich Rendite von 40% realisieren, wie der Geschäftsführer von Carlyle sagte.
Aber ein ausländischer Finanzmann mit Verbindungen zur bin Laden Familie sagte, dass die gesamten Investitionen der Familie in die Carlyle Gruppe beträchtlich höher seien. Er nannte die zwei Millionen US-Dollar lediglich einen Einstiegsbeitrag. »Es ist wie das Pflügen eines Feldes,« sagte diese Person. »Sie säen einmal. Sie pflügen es um, und dann säen sie noch mal.«
Der Carlyle Geschäftsführer fügte an, dass er zweimal darüber nachdenken werde, bevor er irgendeine zukünftige Investition der bin Ladens akzeptiere. »Die Lage hat sich geändert,« sagte er, »ich will nicht den Rest meines Lebens damit zubringen, mit Reportern zu sprechen.«
Eine offizielle Untersuchung der USA des Geschäftsgebarens der bin Laden Familie könnte einige große, mit der US-Regierung assoziierte Namen berühren. Der frühere Präsident Bush ließ durch seine Büroleiterin mitteilen, dass er sich nur an ein Zusammentreffen mit der bin Laden Familie erinnere, welches im November 1998 stattfand. Ms Becker bestätigte, dass es noch ein zweites Treffen im Januar 2000 gab, nachdem ihr das (den Treffen) folgende Dankesschreiben des Ex-Präsidenten vorgelesen worden war. »Präsident Bush unterhält keine Beziehungen mit der bin Laden Familie,« sagte Frau Becker. »Er hat sie zweimal getroffen.«
Mr. Baker hat die Familie bin Laden gemäss der Familie nahestehenden Personen in den Jahren 1998 und 1999 besucht. Bei der zweiten Reise war er mit einem Flugzeug der Familie (bin Laden) unterwegs. Mr. Baker lehnte einen Kommentar ab, genauso wie Mr. Carlucci, ein ehemaliger Vorsitzender der »Nortel Networks Corp.«, welche mit der Saudi Binladin Group als Partner bei Unternehmungen im Telekommunikationssektor zusammenarbeitete.
Der frühere Präsident Carter traf sich mit 10 von Osamas Brüdern im Frühjahr 2000 auf einer Kapitalbeschaffungsreise für den Carter Center in Atlanta. John Hardman zufolge, einem Geschäftsführer des Zentrums, haben die beiden Brüder Mr. Carter gesagt, dass Osama von der Familie vollständig ausgeschlossen wurde . Nachdem Mr. Carter zusammen mit seiner Frau (die Kapitalbeschaffung) weiter vorantrieb und Bakr bin Laden im September 2000 in New York beim Frühstück traf, gab die bin Laden Familie dem Carter Centre 200 000 US-Dollar. »Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass es eine Verbindung zwischen Osama und dem Rest der Familie gibt«, sagt Mr. Hardman.
Während der letzten Jahre brachten die engen Bande der Familie zur saudischen Königsfamilie Geschäftsführer und Angestellte des straffgeführten New Yorker Verlagshauses »Forbes Inc.« dazu, zwei Reisen in das Hauptquartier der Familie zu unternehmen, sagte der Vorsitzende von Forbes, Caspar Weinberger, ein ehemaliger US-Verteidigungsminister der Reagan Administration. »Wir haben uns an sie gewandt, um ihre Ansicht über das Land und was für Investoren von Interesse sein könnte zu erfahren.«
Mr. Weinberger sagte dass keine Reisen nach Saudi-Arabien geplant seien. »Wenn wir gingen,« sagte er, »könnten wir sie besuchen oder auch nicht. Ich glaube nicht, dass die Sünden des Sohnes dem Vater oder dem Bruder und den Vettern und den Tanten zugerechnet werden sollten.«
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Präsident George W. Bush irgendeinen der bin Ladens getroffen hat, aber er war vor zwei Jahrzehnten indirekt mit ihnen verbunden. Sein langjähriger Freund James W. Bath, der Mr. Bush kennenlernte, als beide Piloten bei der Air National Guard [ANG, US-Luftverteidigung] waren, fungierte von 1976 bis 1988 als texanischer Vertreter für Osamas älteren Bruder, Salem bin Laden, als Salem bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Mr. Bath bahnte Grundstücks-Käufe und andere Geschäfte für Salem bin Laden an, einem überschäumenden Mann, der das Baugeschäft der Familie führte. Mr. Bath erhielt generell 5% als Honorar und war einige Zeit als Treuhänder in den entsprechenden Gesellschaftspapieren aufgeführt. Mr. Bath bestätigte, dass er während derselben Periode 50 000 Dollar in zwei von Mr. Bush kontrollierte Fonds investiert habe, sagte aber, dass die Investition nicht in Beziehung zu seinen Geschäften mit Mr. bin Laden gestanden habe.
Unter den Liegenschaften, die Salem auf Empfehlung von Mr. Bath kaufte, war der Houston Gulf Airport, ein wenig benutzter Flughafen in League City, Texas, 25 Meilen von Houston entfernt. Aber Mr. bin Ladens Hoffnung, dass dieser sich zu einem der Haupt-Ausweichflughäfen für Houston entwickeln würde, hat sich nie realisiert, zum Teil aufgrund der Bedenken wegen des sumpfigen Geländes. Seit seinem Tod hat sein Nachlaßverwalter versucht, den Flughafen zu verkaufen – ohne Erfolg. Er steht noch immer zum Verkauf.
(c) Wall Street Journal, 2001 * Nachgedruckt nur zum fairen Gebrauch





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