Im heute veröffentlichten Focus ist das Titelthema 9/11, und insbesondere "Die Macht der Verschwörungstheorien". Danke lieber Focus, dass Ihr Euch mal nackig macht, da kann man schön die ganze häßliche Fratze journalistischer Untugenden sezieren!
Der Hauptartikel, das "Minutenprotokoll", ist eine Zusammenfassung der Ereignisse des 11.09.2001, gewürzt mit "Personal Touch-Stories", wie sie für Yellow Press unerläßlich zu sein scheinen. Schauen wir mal rein:
Zum Motiv der mutmaßlichen Attentäter: Man bemüht insbesondere "fanatisch" und Fanatiker, um zu beschreiben, welchen Hass die mutmaßlichen Hijacker hatten, durchgehend durch den ganzen Text. Und doch heißt es dann, auch der BBC-Reporter Anthony Summers, der wohl das "beste Fachbuch zum 10. Jahrestag" vorgelegt hätte, könne "das Motiv nicht eindeutig klären".
Der sich daraus ergebende Widerspruch bliebt ungeklärt.
Man behauptet, Kahlid Sheik Mohammed und Osama bin Laden hätten den Massenmord in Afghanistan geplant. Man vergißt aber zu erwähnen, wie dünn die Faktenlage dazu ist, außer dem Phantom KSM hat man schlichtweg keine Quellen dafür, denn die Terroristen hinterließen ja "No Paper Trail", die Aussagen von KSM, unter Folter erzwungen, sind wertlos. Sein angebliches Interview zuvor mit Yosri Fouda, in dem er die gleichen Sachverhalte auch ohne Folter gestanden haben will, von dem aber jede glaubhafte Aufzeichung fehlt, ist noch dubioser.
Osama selbst sagte hinterher, er wüsste nichts von den Planungen- zuerst.
Bis er dann in 2004 sagte, wie die Details der OP ausgesehen hatten, wobei das nur noch mehr Widersprüche aufwirft. Sehr, sehr dünn, diese Behauptung. Ein Verkündungsbeweis.
Wir erfahren aus Attas Gefühlswelt, dass dieser sich nach der Ausbildung in einem afghanischen Terrorcamp für "nahezu unbesiegbar" gehalten hätte. Was die Quelle dieses Atta-Innenlebens sein soll, ist mir rätselhaft. Zudem ist der mehrwöchige Besuch auf der Tarnak-Farm wohl kaum etwas, was wir nach unseren Standards eine "Ausbildung" nennen würden, zumal keine, die einen unbesiegbar machen würde.
Dann gibt es eine Zitatfälschung. In einem Zitat des Anrufs von Flug 11 Flugbegleiterin Amy Sweeney.
Laut Focus soll sie gesagt haben:
"Oh Gott, wir sind über NEW YORK. Wir sinken! Viel zu schnell. Ich sehe Wasser! Ich sehe Gebäude. Wir fliegen viel zu niedrig, viel zu niedrig!"
Der Anruf wurde nicht aufgezeichnet. Es gibt als Quellen die Aussagen und Notizen vom Gesprächspartner Michael Woodward mit dem FBI, mit noch einer Person aus seinem Team (Jane Allen), dazu natürlichen Quellen wie der 9/11 CR, oder auch den New York Observer.
Nirgendwo wird "New York" erwähnt.

At 8:44, Gonzalez reported losing phone contact with Ong. About this same time Sweeney reported to Woodward, "Something is wrong. We are in a rapid descent . . . we are all over the place." Woodward asked Sweeney to look out the window to see if she could determine where they were. Sweeney responded: "We are flying low. We are flying very, very low. We are flying way too low." Seconds later she said, "Oh my God we are way too low." The phone call ended.38
38. Ibid.; Michael Woodward interview (Jan. 25, 2004).
9/11 Commission Report
Siehe auch:
Ms. Sweeney told her ground contact that the plane had radically changed direction; it was flying erratically and was in rapid descent. Mr. Woodward asked her to look out the window -- what did she see?
"I see water. I see buildings. We're flying low, we're flying way too low," Sweeney replied, according to the notes taken by Mr. Woodward. Sweeney then took a deep breath and gasped, "Oh, my God." - New York Observer (02/16/04)
Kein einziger Anrufer hat irgendetwas ähnliches gesagt. Da Woodward zwischendrin explizit fragt, wo sie denn sei, und sie zum Fenster rausschauen soll, kann es auch nicht eine Auslassung sein, die vorher gesagt wurde. Wie kam also das New York in das Zitat? Eine unbedeutende Angelegenheit? War ja klar, dass es nur New York sein könne? Mag sein. Aber was hat man damals mit Gerhard Wisneswki gemacht, der angeblich Ernie Stulls Aussagen falsch wiedergegeben haben soll? Hier wäre ein öffentliches Abschlachten der Focus-Redaktion schon angebracht.
Das Naudet-Video wird erwähnt, instinktiv habe Jules Naudet die Kamera hochgerissen, als die Boeing wie ein großer Schatten über ihm auftauchte, "40 Sekunden später" sei die Maschine in den Nordturm eingeschlagen. Ich weiß ja nicht, welches Video die Focus Redaktion gesehen haben will. Aber vom Überflug/erster Wahrnehmung der Boeing im Naudet-Video bis zum Einschlag vergehen höchstens 10 Sekunden. Ich weiß es deshalb sehr genau, weil die Sequenz mal auf meiner Musik-CD enthalten war. Wer will kann es auch selber schauen.
40 Sekunden bei den angeblichen 800 km/h Geschwindigkeit über Grund, welches AA11 lt. Radardaten geflogen sein soll.
Wo wäre man dann? Das sind bald 9 km. Aber die Naudet-Brüder waren Ecke Church/Lispenard, nur ca. 1,2 km vom WTC 1 entfernt (und außerdem ist die best möglichen Sichtposition von Norden her).
Und dann passt auch die Kalkulation plötzlich. Ein unbedeutendes Detail? Kann man beim Focus nicht rechnen? Woher nimmt man solche Aussagen?
Weiter geht es mit den Darstellungen des "heißen Infernos", der "Flieger wird jetzt zu einem gigantischen Sprengsatz", welcher eine "Flammenhölle", entfacht, die "höllische Hitze" von "1.200° Celsius" zwang viele Menschen im Nordturm zu Verzweifelungstaten.
Woher der Focus diese Temperatur-Angabe haben will, wäre interessant zu erfahren. Büro-oder Kerosinbrände brennen gut mit Luft versorgt zwischen 600-800° C, schlecht ventiliert (was sie laut Angaben des NIST waren) mit entsprechend geringerer Temperatur. In Flashovers können kurzzeitig Temperaturen bis zu 1.000° C erreicht werden. Aber 1.200° C? Das wäre schon arg viel, die Feuer werden also wieder heißer. Nur erklärt selbst diese Temperatur nicht die millionenfach gefundenen, kleinen, atmosphärisch geformten Eisensphäroide. Die erst bei Temperaturen jenseits der 1500° C entstehen, und auch in offiziellen Reporten beschrieben wurden. Ein Inferno, ja, aber nicht in diesem Ausmaß durch die Büro-Kerosinbrände verursacht. Eine Erklärung? Unwichtig!
"Um 9.59 Uhr scheint sich der "Südturm zu schütteln" Dann stürzt das riesige Gebäude in sich zusammen, Nach knapp 20 Sekunden liegt alles am Boden. Die Fallgeschwindigkeit: 200km/h. 29 Minuten später kippt der Nordturm."
Erstens stürzt der Südturm nicht in sich zusammen, der Nordturm kippt nicht, beide werden wie Bananen von oben nach unten geschält, die Masse zu Staub pulverisiert, Teile werden weit zur Seite herausgeschleudert. Zweitens, eine Fallgeschwindigkeit von 200km/h, wann soll die erreicht worden sein? Am Ende? Diese Geschwindigkeit bedeutet ca. 55m/s. Was soll bitte durch den nach unten größer werdenden strukturellen konstruktiven Widerstand so schnell fallen, wenn in dieser Größenordnung selbst für Menschen die Fallgrenzgeschwindigkeit erreicht wird- durch den reinen Luftwiderstand?
War das WTC nur Luft?
Netterweise wird die BND-Konferenz des Herrn Hanning erwähnt, welche am 11.09.2001 stattfindet, zusammen mit Journalisten debattiert man über den internationalen Terrorismus. Da wussten natürlich gleich alle Bescheid, wenn diese schon vorher gebrieft werden, über Osama, El-Kaida und Co. Denn den genauen Inhalt erfahren wir beim Focus nicht, wohl aber in der NZZ:
Am 11. September 2001 hatte der BND, der deutsche Auslandnachrichtendienst, zu einem Hintergrundgespräch über islamistischen Terrorismus eingeladen. Der damalige Präsident des Geheimdienstes, August Hanning, und ein Vertreter der Terrorismus-Abteilung referieren über Usama bin Ladin, al-Kaida und andere Gruppen. Die BND-Leute zeigen Satellitenaufnahmen von Ausbildungslagern in der Nähe der ostpakistanischen Stadt Khost und anderes Material, das sie von der CIA erhalten haben. Die Islamisten, so Hanning, seien jederzeit in der Lage, in einem westlichen Land eine Bombe explodieren zu lassen. Zweimal wird der Präsident während des Vortrags aus dem Raum gerufen, dann wendet sich Hanning an die Journalisten: «Zwei Passagierflugzeuge haben sich in die Türme des World Trade Center gebohrt.» Die Realität hatte die Vorstellungen der Nachrichtendienste überholt.
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/auf_die_harte_tour_1.10716289.html
Abgesehen von der Aussage von Cofer Black, der den Kopf von Osama bin Laden auf Eis serviert haben möchte, eine etwas infam erscheinende Vorstellung für einen Rechtsstaat, ist mir keine einzige neue Info in dem Bericht aufgefallen. Man hätte gerne mal schreiben können, was denn das "neue, exklusive Material" war, was angeblich enthalten sein sollte. Die aufgebauschten Detaildaten? Das gefälschte Sweeney-Zitat? Habe ich etwas übersehen?
Zum Artikel "Geschäfte mit Gerüchten", von Ivo Bozic, das ist eindeutig der schlechteste aller 4 Artikel im neuen Focus.
Eine Schmäh- und Hetzschrift gegen Verschwörungstheorien, gegen diese dummen Ketzer, und es kommt jede denkbare Diffamierung drin vor:
-über einen Kamm scheren mit seltsamen Typen und deren Vorstellungen (Christian Anders!)
-man könne nichts beweisen (nie?), sondern würde nur Cui Bono? fragen, und da wäre die Antwort wohl, den Autoren selber, die das nur des Geldes wegen machen
-Fragen seien nicht so offen (aber überhaupt denkbar?), wie die Verschwörungstheoretiker gerne behaupten, denn ihre Antwort stünde von Anfang an fest
(Motivunterstellungs-Verfälschung die 1.000, selbst M. Bröckers, als angeführtes Beispiel, hat nicht von Anfang an versucht, eine Verschwörungstheorie zu beweisen, die er schon im Kopf hatte, sondern seine erworbenen Kenntnisse auf die offiziellen Erklärungen angewandt)
-Antisemitismusnähe einbringen, Bozic erwähnt die Klage von Bröckers gegend en NDR wegen des Antisemitismusverdachts vor dem Berliner Landgericht, freilich ohne zu erwähnen, warum dieser Verdacht falsch war, und auch ohne das Gerichtsurteil zu erwähnen, welches Bröckers Recht gab, die damaligen Ausstellungstafeln mussten geändert werden
-die bösen Juden und die Weltverschwörung wird als stereotypes Muster eingebracht, ohne zu erwähnen, dass so etwas kaum einer glaubt, sondern es um reale, denkbare Verschwörungen realiter Machtverhältnisse geht, die auch schon dann und wann mal entlarvt worden sind, siehe Church-Komitee, siehe Iran-Contra, siehe OP Ajax, siehe Gladio....
-Wisneswkis "Dritte RAF-Generation"-Behauptung, diese hätte nicht authentisch existiert, sei "offensichtlich Unsinn", weil inhaftierte RAF-Mitglieder dem widersprochen hätten (haben die möglicherweise ein Motiv dazu?), dann wird behauptet, der WDR hätte seine Dokumentation in "allen Details" widerlegt, was als ausgegorener Schwachsinn bezeichnet werden kann, es gab nur den Bruhaha über die Aussage von Ernie Stull (dessen O-Ton bis heute keine Fälschung von Wisnesksi impliziert) sowie den nicht existenten "Stahlbetonkern" der WTC, welchen zuvor Munich Re und BBC aufgebracht hatten. Sowie eine durchaus zweifelhafte Aussage von einem Flugexperten, der die Machbarkeit der Manöver der Hijacker bejahte, was keine wirkliche Widerlegung war. Mehr Widerlegung gab es meines Wissens nach nicht!
-Kopp wird erwähnt, Ufos, Krebsbehandlungen, alles wird in einen Topf geworfen...
-Mahler taucht natürlich wieder auf, weil der mal bei einer Veranstaltung 2003 im Publikum saß sind wir alle Nazis...
-ein Netzwerk von Verschwörungstheoretikern wird propagiert, das sind die, die selber gerne bei Verschwörungen mitmachen würden...
Insgesamt der größte Käse, den man im Deutschen Blätterwald seit dem Spiegel-Dossiers zu Verschwörungstheorien in 2003 und 2006 lesen konnte.
Eindeutig der schlimmste Part der neuen Serie.
Die Sprengung der World Trade Center wird in Kasten auf Seite 77 mit zwei Sätzen abgehandelt: Wie das NIST feststellte, „brachte Feuer die Twin Towers zum Einsturz. Der Aufprall hätte den nur aufgesprühten Brandschutz der Stahlträger beschädigt. So konnten die durch das Flugbenzin verstärkten Brände die Tragfähigkeit des Gebäudeskeletts beinträchtigen“.
Das NIST hatte nicht die Aufgabe, wirklich ergebnisoffen die Einstürze zu untersuchen. Man hat die Aufgabe bekommen, eine mögliche Erklärung zu finden. Und diese hat man dann, nach diversen Input-Fälschungen beí den bis heute unveröffentlichten Computermodellen, dann auch errechnet. Müll-Science. Und es gab natürlich auch Brandschutz auf Stahlträgern, der nicht aufgesprüht war, die Rigips-Verkleidung der meisten innenliegenden Stahlträger wird wie immer "vergessen".
Das war alles! Lächerlich! Als ob man schon ahnen würde, dass jede wirkliche Beschäftigung mit dem Thema "Sprengung der World Trade Center" nach hinten losgehen würde.
Im Artikel „Bloß keine einfachen Wahrheiten“ von Thomas Grüter zähle ich die üblichen 10 Diffamierungs-Pauschalierungs-Pathologisierungsversuche, wobei das eine oder andere doppelt vorkommt.
Damit beschäftige ich mich ausführlich im nächsten Blogeintrag, also mutmaßlich, wenn ich das heute neu erscheinende Buch von Marcus Klöckner bespreche. "9/11: Der Kampf um die Wahrheit".
Dazu heißt es in einer Pressemitteilung:
Kern des Buches sind umfangreiche Medienanalysen in denen der Autor aufzeigt, wie Leitmedien durch einen fragwürdigen Journalismus versucht haben, die 9/11-Gegenöffentlichkeit aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen.
Qualitätsmedien denunzieren wortgewaltig 9/11-Zweifler
Der Autor stellt dabei in weiten Teilen der Qualitätsmedien fest, dass Medienvertreter gerne ihre eigene Meinung und "Wahrheit" vor die kritische Auseinandersetzung mit dem 11. September und vor die Thesen der Skeptiker stellen. Die Tatsache, dass Leitmedien grundsätzlich die These des "Inside Job", also den Terroranschlag als selbstinszenierten Akt als indiskutabel behandelt haben, bezeichnet Klöckner als "nicht hinnehmbar."
Der Focus reiht sich nahtlos in den Reigen der gleichgeschalteten deutschen "Qualitätsmedien" ein, welche ihr unterirdisches Niveau und ihre üblen, verzerrenden Diffamierungsartikel selbst nach 10 Jahren möglicher Recherche und 10.000 neuen Fakten immer noch gerne zur Schau stellen. Die meinen wohl, sie würden damit irgendwelche Leser erreichen!