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23 Aug 2011

Professor Greiner mit perfekter Angstabwehr - Elvis lebt

Gestern hat Prof. Bernd Greiner, Historiker, Politikwissenschaftler und  Amerikanist, und Mitglied des Hamburger Instituts für Sozialforschung, sein Buch "9/11: Der Tag, die Angst, die Folgen" im Amerikazentrum in der Hamburger Hafencity vorgestellt.

Ich hatte dieses Buch ja bereits im März rezensiert, der Herr Greiner hat unsägliche Diffamierungen gegen "Verschwörungstheorien" vorne ran gestellt, dann einen tendenziösen, hochstaatsoffiziellen Blick auf El-Kaida und Osama bin Laden geworfen, um schließlich die antidemokratischen Tendenzen der jüngeren Geschichte der USA sehr genau zu beschreiben. Was mich schon die ganze Zeit fragen lässt, warum er dies am Anfang unbedingt machen musste- Aufmerksamkeit der Medien erheischen? Sicherlich wird jemand, der "Verschwörungstheorien" widerlegt, gerne rumgereicht. Und so ist es ja auch.

Nun, gestern ging es nicht um Verschwörungstheorien, und wenn, dann nur in Ansätzen - über die Offizielle. Herr Greiner hat hauptsächlich über die besorgniserregenden antidemokratischen Entwicklungen in den USA referiert. Das hat er gut gemacht.

Ein paar Dinge hat der Abend aber gezeigt. Professoren können unglaublich borniert, aber gleichzeit absolut von sich überzeugt sein, selbst wenn sie lächerliche kognitive Dissonanz-Angstabwehrreflexe zeigen. Der Diskurs einer solchen Veranstaltung folgt völlig der Vorstellung der Moderation, echter freier Austausch kommt nicht zustande. Und wir "Schurkenelemente", sind da hoffnungslos unterlegen, egal wie rhetorisch gewandt.

Und einige wenige im Publikum zeigten Unwissenheit gepaart mit rassistischen Tendenzen gegen den Islam, zweiteres aus ersterem folgend. Eine Person im Publikum sagte, man hätte doch diese Moschee, wo der Atta in Hamburg war, überwachen sollen. Dass dies seit 1998 gemacht wurde, nicht nur bei der Al-Quds-Moschee, sondern auch bei Attas Wohnung in der Marienstraße 54 in Harburg, scheint man schlicht nicht zu wissen. 

So weit zum Negativen. Es gab aber auch Positives. Sven-Alexander Elies von Nanothermit.de hat vor Beginn der Veranstaltung einen "Erinnern wir uns an Gebäude 7"-Flyer an alle Besucher verteilt, stets freundlich fragend, ob man diesen haben wolle, stets sich bedankend, wenn wieder jemand diesen nahm. Eigentlich jeder hat diesen auch genommen. Ein Herr war besonders schockiert und fragte nach, warum er diesen Flyer bekommen hätte, nachdem der diesen gelesen hatte. Elies war schnell dabei, zu erläutern, warum es eine neue Untersuchung bräuchte, WTC 7, dazu die Fema Appendix C-Studie in Farbe in der Tasche. Er kann das echt gut. Ich half aus, wo ich konnte, die Wissenschaftler und AE911Truth erwähnend. Zumindest Zweifel und Fragezeichen haben wir so geweckt, der Herr kündigte an, sich selbst mal WTC 7 anzuschauen.  

Zum Vortrag von Herrn Greiner: Am Ende haben Elies und ich den doch noch zu einer Stellungnahme zu "Verschwörungstheorien" getrieben, in eine unsägliche Entgleisung.

Jeder konnte nur eine Frage stellen, meine war sinngemäß, da Greiner zuvor die US-Wahl-Betrugsverdacht bei der Präsidentenwahl in 2000 angesprochen und dann abgewürgt hatte, ob er denn wüsste, das die New York Times als Konsortialführer der Nachzählung der Florida-Stimmen im August 2001 sagte, die Ergebnisse seien fertig, aber man könne sie noch nicht veröffentlichen, später, nach 9/11, sind sie dann unter irreführenden Überschriften und der Konzentration auf die falschen Teile der Nachzählung (Butterfly-Ballots, Under/Overvotes) bekannt gegeben worden, was aber kaum einer wüsste, Al Gore hatte regulär Florida und damit die US-Präsidentschaft gewonnen. Dies hätte man aber nicht so kommunizieren können, weil man einen US-Präsidenten im Krieg nicht angreifen dürfe.

Und dazu, bei all den antidemokratischen Tendenzen, die Mitglieder der Bush-Admin an den Tag legten, Rumsfeld und Cheney mit ihren Continuity of Government, Perle und Wolfowitz, letzterer als Schüler von Leo Strauss, der einen äußeren Feind zur inneren Einigung propagierte, ob das nicht ein paar Zufälle zu viel seien, dass genau dann 9/11 passierte, was dem "schwachen Präsidenten Bush" half. 

Seine Antworten, sinngemäß: Die Leute aus der Bush-Regierung seien alles "Kalte Krieger" gewesen, man könne diesen keinen Vorwurf daraus machen, dass diese in ihren gefestigten Denkschemata auf 9/11 geantwortet hätten. Und die US-Wahl wäre auch nicht revidiert worden, auch ohne 9/11, weil dies dem Präsidentenamt zu sehr schaden würde.

Irgenwie kamen mir die Antworten falsch vor. Aber so viel Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht. Mir ist nur später aufgefallen, dass Greiner nie, auch nicht in seinem Buch, das Rumsfeld-Cheney-Team B mit seinen künstlichen Bedrohungsszenarieren erwähnt und anscheinend auch noch nie etwas von Tiefenpolitik oder der Strategie der Spannung gehört haben kann.

Elies hatte nach seiner eigenen Vorstellung nur eine Frage an Herrn Greiner und die Moderatorin Frau Beckmann-Schulz: "Wann haben Sie das erste Mal WTC 7 einstürzen sehen?"

Eine sehr kurze, prägnante Frage. Erst hat Prof. Greiner versucht, diese zu ignorieren. Als das Publikum dann auf eine Antwort drängte, gab es die werwundernde Antwort von Greiner darauf: "Elvis lebt". Auf dem Niveau bewegen sich Professoren? Das war ja nicht mal ansatzweise inhaltlich, sondern ist nur diffamierend. Oder eben inszenierte Lebenslüge und Angstabwehr. Herr Professor Greiner hätte sich auch hinstellen können, die Ohren zuhaltend und "Lalalala" singen können- es wäre das gleiche gewesen.

Verschwörungstheorien seien halt samt und sonders Unsinn. Und Frau Beckmann-Schulz folgte dem intellektuellen Übervater, in dem sie "dem habe ich nichts hinzuzufügen" ins Mikro murmelte.

Da sowohl er als auch seine Moderatorin merkten, dass dies doch ein wenig zu einfach sei, vor allem nach einigen Zwischenrufen von uns, führte er dann doch seine Begründungen aus:

Solche Vorstellungen, gemeint waren die Verschwörungstheorien, seien "intellektuelle Monstrositäten". Er hätte sämtliche Punkte geprüft, keiner hätte auch nur den Hauch einer "empirischen Grundlage".

Da platzte mir die Hutschnur, und ich rief ihm dazwischen, dass sein Kapitel über Verschwörungstheorien doch nur auf ganz wenigen Quellen basieren würde, wie dem 9/11 Commission Report oder Aust/Schnibbe. Ausgerechnet! Die schlechtesten Quellen Kritiklos zu übernehmen!

Als letztes stellte Greiner die Frage (wobei die Moderatorin gleich vermerkte, es sei eine rhetorische Frage, weil damit die Veranstaltung beendet sei), warum es denn niemanden gegeben hätte, der ausgepackt hätte, so eine Verschwörung sei nicht geheimzuhalten, weil doch Dutzende Militärs und Geheimdienstmitarbeiter sämtliche Geheimnisse der Bush-Admin ausgeplaudert hätten, diese Regierung sei von einer der verschlossendsten zu einer der transparentesten geworden, sie stand am Ende offener da als manch andere

Ich glaube, der Herr Greiner hat einfach noch nie etwas von Sibel Edmonds gehört. Oder Randy Glass. Oder Behrooz Sarshar. Oder Kenneth Williams. Oder Coleen Rowley. Oder Harry Samit. Oder Karen Kwiatkoswky. Oder Anthony Shaffer. Oder Ray McGovern. Den Whistleblowern also, aus deren Aussagen man sehr wohl eine andere Deutung von 9/11 herauslesen könnte. Die aber nie ihren Weg in den Mainstream fanden- oder wenn, nicht in die richtigen Zusammenhänge und Schlußfolgerungen. Er weiß anscheinend auch nicht, dass beispielsweise Daniel Ellsberg, der Mann hinter den Pentagon-Papers, aussagt, dass die "Kann kein Geheimnis bewahren-These" selbst ein Cover sei, weil es genug Geheimnisse geben würde, die nie nach Außen dringen würden. Und, dass sich Ellsberg, genau übrigens wie Mike Gravel, sich sehr wohl für eine neue Untersuchung von 9/11 einsetzt. Wie viele viele andere auch.

Nun, es ist wie es ist. Zwei Dinge sind mir eingefallen. Lebenslügen, was man sich selbst oder kollektiv nicht zugeben kann, bedürfen der Verdrängung, sämtlicher Mittel, um die Wahrheit nicht an sich heranzulassen. Greiner scheint mir ein besonders großes Opfer dieser kognitiven Dissonanz zu sein. Und nun haut er uns diese um die Ohren, und wird so ein Medienliebling. Weil die ähnliche Probleme haben.  Und, ich dachte an die Seite 100 aus Marcus Klöckners neuem Buch "9/11:Der Kampf um die Wahrheit":

"Die Wortführer im Stigmatisierungskampf um den Begriff der Verschwörungsheorien [seien] längst nicht so glaubwürdig, ihre Sichtweise sei längst nicht so frei von Widersprüchen, wie sie es für sich beanspruchen und der Öffentlichkeit glaubend machen wollen."

"...Wissenschaftler, die letztlich durch ihre Beiträge zur Diskussion doch nur erkennen lassen, wie großzügig die eigenen subjektiven Glaubensgrundsätze ihr "unantastbares Urteil" über Verschwörungstheorien wohl beeinflusst haben." 

Noch was Nettes: Wir hatten anschließend noch eine angenehme Diskussion vor der Türe, Grüße an dieser Stelle an die hübsche blonde, deutsch-französische Politologin mit Ambitionen.

Last modified on Tuesday, 23 August 2011 17:35
Dirk Gerhardt

Dirk Gerhardt

Seit 2002 als engagierter 9/11 Beobachter im Internet unter dem Namen Sitting Bull bekannt.

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