Dr. Florian Huber war einer der Vortragenden auf dem „Quo Vadis NATO“-Kongress und hielt seinen Vortrag über das Thema 9/11 und Geheimdienste. Wir vom 911-archiv hatten die Gelegenheit, ihn anschließend zu interviewen.
It is a pleasure for us to present this interview with the director and writer of feature film "Harodim", Paul Finelli, who did it! As far as I know Harodim is the first theatrically release of any 9/11 topic thriller worldwide. See imdb database for details. http://www.imdb.com/title/tt2188913/
17.09.2012 11 Jahre 9/11: „IZ-Begegnung" mit Paul Schreyer über Hintergründe und Erkenntnismethoden
Letztes Jahr führten wir ein Interview mit Paul Schreyer, dem Autoren des Sachbuchs "Inside 9/11". Zuletzt hatte Schreyer für Telepolis einen Artikel zum 11. Jahrestag des 11. Septembers publiziert und einige Kommentare auch in einem weiteren Forum bei tp abgegeben, zum Stichwort, "Verschwörungstheorien". Für uns vom 911-archiv.net ein Anlass, Herrn Schreyer zu befragen.

Paul Schreyer
Frage, 911-archiv.net: Herr Schreyer, vielen Dank, dass Sie erneut Zeit für uns haben, um dem 911-archiv einige Fragen zu beantworten. Unser letztes Interview aus dem Jahr 2011 erfolgte kurz nach Ihrer Buchveröffentlichung „Inside 9/11“, in dem Sie einige brisante Sachverhalte, etwa die Abwesenheit wichtiger Entscheidungsträger oder die Verzögerung bei der Luftabwehr am 11.9. thematisierten. Hatten Sie seitdem nennenswerte neue Erkenntnisse?
Antwort, Paul Schreyer: Ich habe versucht, mehr zu der seltsamen Route von Flug 77 zu erfahren, also der Maschine, die ins Pentagon flog. Sie startete ja in Washington und es ist nach wie vor vollkommen unplausibel, weshalb die Entführer einen etwa 800 km langen Umweg flogen und nicht kurz nach dem Start um 8:20 Uhr wendeten, um das nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernte Pentagon anzusteuern. Die „Washington Post“ hatte dazu bereits im November 2001 berichtet, dass der 400 km vom Flughafen entfernte Punkt, an dem die Entführer den Transponder schließlich abschalteten und wendeten, exakt in einem Radarloch lag. Der Journalist Don Phillips, der das damals recherchierte, merkte im Artikel an, dass es fraglich wäre, ob dies ein Zufall sei, oder ob die Entführer von diesem Radarloch nicht doch wussten. Phillips ist inzwischen im Ruhestand. Nach einigen Recherchen ermittelte ich seine Emailadresse und befragte ihn zu dieser These, erhielt aber keine Antwort. Eine weitere Anfrage meinerseits bei Steve Bussolari, einem Luftfahrtexperten des Pentagon-nahen MIT Lincoln Lab und Autor der Studie „Surveillance Implications of 9/11“, blieb ebenfalls ohne Ergebnis. Bussolari antwortete mir zwar höflich, verweigerte aber jede Auskunft zum Thema „Radarlöcher“. Der Rechercheur Mark Gaffney hat auf der Grundlage von per Informationsfreiheitsgesetz freigegebenen Daten 2008 in seinem Buch „The 9/11 Mystery Plane“ ein Radarbild eines anderen an diesem Morgen von Washington startenden Fluges abgedruckt. Auf diesem Bild ist die Lage und Ausdehnung des Radarlochs, in dem Flug 77 verschwand, deutlich sichtbar. Doch mangels auskunftswilliger Quellen kommen wir an diesem Punkt derzeit nicht weiter.
F: Sie haben sicherlich die Diskussion bei „scobel“ verfolgt, als Dr. Thomas Grüter, Dr. Daniele Ganser und Bundesminister a.D. Andreas von Bülow über Verschwörungstheorien diskutierten. Wie fanden Sie diese Sendung?
A: Ich fand es positiv, dass Herr von Bülow, endlich einmal Gelegenheit bekam, seine Expertise einzubringen, ohne sofort als „Verschwörungstheoretiker“ abgekanzelt zu werden, so wie bei seinem letzten großen TV-Auftritt bei Sandra Maischberger vor einigen Jahren. Bülow ist mit seinem Hintergrund als Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Mitglied im KoKo-Untersuchungsausschuss, sowie als Autor des Buches „Im Namen des Staates“, einer der wenigen renommierten Fachleute hierzulande, die es wagen, offen über Staatsterrorismus zu reden. Das gleiche gilt für Daniele Ganser. Die Auswahl dieser beiden Gäste durch die Scobel-Redaktion war ein Schritt hin zu einer offeneren Debatte des Themas.
F: Und die Doku „Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch“, die zuvor ausgestrahlt wurde?
A: Dieser Film versuchte in bekannter Weise, die Definition des Begriffes „Verschwörungstheorie“ als „paranoider Unsinn“ zu verfestigen. Die Methode ist immer die gleiche: absurdes wird so lange mit relevantem verrührt, bis der Zuschauer sich verwirrt der Einordnung eines „Experten“ anschließen soll. Im besten Fall ist das von Seiten der Autoren journalistisch unreflektiert. Das Ergebnis jedenfalls war auch in diesem Fall eine Verdummung der Zuschauer.
F: Dr. Grüter sah die meiste Zeit wie ein Fremdkörper in der Diskussion aus, zwischen zwei anderen Teilnehmern, deren Hauptthema real existente Verschwörungen der Neuzeit waren, während er ganz andere Verschwörungstheorien meinte, historische, Sündenbock-Verschwörungstheorien. Kann man alle Verschwörungstheorien über einen Kamm scheren, wie es so oft gemacht wird? Etwa in der Sendung „Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch" wurden Lady Di, Aliens-Roswell, Area 51, und 9/11 nebeneinander vorgestellt.
A: Man kann das machen, aber es führt natürlich zu keinem Erkenntnisgewinn. Es läuft dann auf Unterhaltung und eine launige Satire hinaus. Die Frage ist, ob ein ungeklärter Massenmord wie 9/11 nicht doch einen anderen journalistischen Umgang erfordert.
F: Sollte man dann den Begriff Verschwörungstheorie neu definieren? Wenn ja, wie?
A: Man sollte endlich davon wegkommen, jede Verschwörungstheorie per sé als schwachsinnig einzuordnen. Verschwörungen, also geheime Absprachen, sind Teil unseres Alltags. Sie sind auch selbstverständlicher Teil von Politik und Wirtschaft. Hypothesen über solche geheimen Absprachen - und nichts anderes sind Verschwörungstheorien - können stimmen oder auch nicht stimmen. Wer nahelegt, Verschwörungstheorien wären generell absurd, der verleugnet damit die Existenz jeglicher realer Verschwörung. Und das ist nun wirklich absurd. Mich wundert nach wie vor, wie wenige Journalisten zu diesem simplen Gedankengang in der Lage sind.
"Verschwörungstheorien und Hypothesen ganz allgemein sind Konstruktionen der Wirklichkeit, die entstehen, wenn es an Transparenz mangelt. Ob sie berechtigt sind oder eher zweifelhaft, ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Generell kann man aber sagen, dass zweifelhafte Verschwörungstheorien die Dinge meist einfacher darstellen als sie sind, dass sie Widersprüche ausblenden und Feindbilder befördern. Bedenkenswerte Verschwörungstheorien geben auf der anderen Seite oft keine fertigen Lösungen vor. Und sie sind falsifizierbar - durch reale Ermittlungen." Paul Schreyer
F: Herr Grüter brachte das Beispiel der Ritualmordverschwörung als Beispiel für nachweislich unwahre, sich aber dennoch über Jahrhunderte haltenden Verschwörungstheorien. Ist hier nicht eine ganz andere Kategorie von Verschwörung am Wirken, eine Abgrenzung zwischen Personengruppen, wobei die diffamierte als Sündenbock herhalten muss, während die Strippenzieher hinter der Verschwörungstheorie Mächtige zu sein scheinen, die das für ihre Interessen gebrauchen?
A: Natürlich gibt es auch Verschwörungstheorien, die von anderen manipulativ eingesetzt werden, um Leute oder ganze Völker gegeneinander aufzuhetzen. Es gibt viele Arten von Verschwörungstheorien und eben deshalb macht es ja auch so wenig Sinn, den Begriff insgesamt einheitlich erklären und bewerten zu wollen.
F: Der Journalist Marcus Klöckner hatte ein sehr ausführliches Interview mit Hr. Grüter führen können und auf heise.de/tp veröffentlicht. „Was ist eine Verschwörungstheorie und wann ist ein Verschwörungsverdacht glaubwürdig?. In diesem sagt Dr. Grüter am Ende, „Menschen glauben eben, was sie glauben wollen“. Gilt dies nicht insbesondere für die Mehrheit derjenigen, die immer noch die staatsoffizielle Verschwörungstheorie zum 11.9.2001 glauben, und alle dagegen sprechenden Fakten ignorieren oder abwerten?
A: Die Aussage "jeder glaubt eben, was er glauben will" ist ein Allgemeinplatz. Herr Grüter ist der eigentlichen Frage ausgewichen, wann eine Verschwörungstheorie als absurd zu gelten hätte und wann eben nicht. Was interessant ist: Der Unterschied in der öffentlichen Akzeptanz von Hypothesen über Verschwörungen scheint vor allem darin zu liegen, ob die vermuteten Hintermänner im eigenen Kulturkreis große Macht besitzen oder nicht. Da sind wir dann schnell bei den Themen Angst und Anpassung. Dass die Bewertung durch die Medien nicht im Vakuum stattfindet, sondern in einem von Macht und Interessen dominierten Umfeld, wird aber eben oft ignoriert, auch von Grüter. Dabei liegt es doch klar vor aller Augen. Nur ein kleines Beispiel: die neue TV-Show "Breaking the set" der amerikanischen 9/11-Aktivistin Abby Martin läuft auf "Russia Today" und nicht auf CNN. Warum wohl? Weil Medien in einem Machtkontext arbeiten. Es glaubt eben nicht nur jeder, was er glauben will - es senden auch die meisten, was sie senden sollen.
F: Kevin Ryan hatte im Mai einen Artikel vorgelegt, unter dem Titel „Do we need another conspiracy theory?“, in dem er ein CIA-Dokument erwähnt, welches die Frage der Verschwörungstheorien zu JFK und der Warren-Commission behandelt. Auch wenn in diesem nicht explizit gesagt wird, dass man mögliche andere Interpretationen als die staatsoffizielle Version als Verschwörungstheorien diffamieren soll, hat man sich anscheinend ernsthafte Sorgen über die Reputation von Regierungsinstitutionen gemacht. Seit diesem CIA-Memo ist die Verwendung des Wortes Verschwörungstheorie in den Medien sprunghaft angestiegen. Wird bewusst mit einer negativen Konnotation Politik gemacht, nach dem Motto, die Verschwörungstheorie ist selbst Kampfbegriff zur Erhaltung des Status Quo, zur Nichthinterfragung unbequemer Wahrheiten, möglicherweise für die Mächtigen gefährlichen Wahrheiten?
A: Auf jeden Fall. Das können wir beim Thema 9/11 ja hervorragend beobachten. Abweichende Meinungen werden mit dem Begriff "Verschwörungstheorie" abgewertet, noch bevor es zu einer inhaltlichen Diskussion kommt. Das muss aufhören, ansonsten können wir uns Debatten zu heiklen Themen bald ganz sparen.
F: Ist es möglich, dass Regierungen selber Verschwörungstheorien streuen? Beispielsweise ist uns Bill Cooper im Gedächtnis, der, nachdem er sein Leben lang Aliens für real hielt und der Regierung eine Vertuschung vorwarf, schließlich irgendwann zu der Überzeugung kam, dass die Alien-Verschwörungstheorie von der US-Regierung selbst ins Leben gerufen wurde, möglicherweise, um Geheimprojekte zu decken und die Menschen zu beschäftigen und abzulenken. Ihre Meinung dazu?
A: Zum natürlichen Aufgabenfeld von Geheimdiensten gehört auch Desinformation, also das Streuen falscher Informationen. Nach 9/11 wurde vom Pentagon das "Office of Strategic Influence" gegründet. Wenn ein Geheimdienst, der zum Beispiel einen staatsterroristischen Anschlag vertuschen soll, bemerkt, dass ein großer Teil der Bevölkerung den öffentlichen Verlautbarungen misstraut, sodass es unmöglich erscheint, diesen mit Propaganda wieder zurückzugewinnen, dann ist Kreativität gefragt. Und das Streuen falscher Verschwörungstheorien ist sicher eine sehr effektive Methode, den Einfluss der Skeptiker zu begrenzen.
F: Bei unseren Recherchen ist uns aufgefallen, dass das UFO-Disclosure-Projekt genau 5 Türnummern entfernt von dem US-Institut SITE* saß, und zwar in einem Einkaufscenter in 4938 Hampden Lane, Bethesda, Maryland, nicht weit weg vom Pentagon. Ist die Wahrheit manchmal zu einfach?
A: Offenbar immer noch nicht einfach genug für manch investigativen Kollegen im Mainstream ...
F: Herr Schreyer, wir danken Ihnen für Ihre Zeit, unsere Fragen zu beantworten!
*SITE wurde von Rita Katz und Josh Devon gegründet und hat die meisten der El-Kaida-Materialien inkl. bin Laden-Videos der letzten Jahre angeblich als erstes im Internet gefunden und seinen Klienten zur Verfügung gestellt, die dann quellenunkritisch das Material als echt verbreiteten. SITE hat in 2008 seine Tätigkeit eingestellt
http://en.wikipedia.org/wiki/SITE_Institute
Foto Regine Igel: Copyright (c) Klas ForsterIhre Vita findet man neben Wikipedia auch bei ihrem Verlag, Herbig.
http://www.herbig.net/autoren/detailview/author/igel_regine.html
Frage, 911-archiv.net: Frau Igel, Sie haben mit „Terrorismuslügen- Wie die Stasi im Untergrund agierte“, kürzlich ein Buch herausgegeben, welches explizit dunkle Machenschaften eines untergegangenen Staates beleuchtet. Ist es grundsätzlich einfacher, über solche Verfehlungen zu sprechen, wenn die dahinterstehenden Strukturen nicht mehr aktiv an der Macht sind? Immerhin gab es nach dem Ende des Apartheidregimes in Südafrika auch eine kurze Phase der „Wahrheitskommissionen“…
Antwort, Regine Igel: Geheimdienste arbeiten im Geheimen, weil ihr Tun nicht bekannt werden soll.
Mehr über sie erfahren wir nur, wenn so etwas Ungewöhnliches passiert, wie das Ende eines Staates und seines Geheimdienstes. Etwas anderes ist die Transparenz. Anders als in Deutschland ist man z.B. in Amerika (Parlamentskommissionen in den 70er Jahren) und Italien in der Nachkriegszeit transparenter in Sachen Geheimdienste und der Aufklärung von Ungesetzmäßigkeiten von Seiten des Staates gewesen. Die „Wahrheitskommissionen“ in Südafrika waren ein sehr beeindruckendes radikaldemokratisches Mittel der Aufarbeitung.
F: Erlebten Sie Widerstände, als Sie über potenzielle Verwicklungen in Sachen Staatsterrorismus etwa von Italien oder der Stasi nachforschten und schrieben?
A: Eine Form erlebten Widerstandes ist, dass meine Bücher – wie andere ähnliche - in den großen Medien so gut wie nicht besprochen werden oder man über mich und das Buch Desinformationen und Diskreditierungen in Umlauf bringt.
F: Warum ist das Interesse an einer Aufklärung über Staatsterrorismus Ihrer Meinung nach so gering? Warum versagt sich ein Staatsmann wie Helmut Schmidt im Di Lorenzo-Interview in der „ZEIT“, kurz nachdem er die wichtige Rolle anspricht, sich weitere Aussagen? *1
A: Wo im Terrorismus trotz funktionierendem Strafverfolgungs- und Polizeiapparat in einem demokratischen Staat nicht aufgeklärt wird, kann man den aus der Geschichte begründeten Verdacht hegen, dass es sich um Staatsterrorismus handelt, also Geheimdienste involviert sind. Auch ich habe mich seinerzeit über die Äußerungen von Helmut Schmidt in der ZEIT gewundert. Schmidt ist aber natürlich ein Mann der Staatsräson. Mehr als diese nicht wirklich klärenden, aber doch beunruhigenden Äußerungen wird man von ihm nicht erfahren.
F: In meiner Rezension *2 zu Ihrem Buch habe ich Ihre positive Rezeption von Claire Sterling in Frage gestellt. Kennen Sie die behaupteten Anschuldigungen, dass die CIA sie bewusst mit Falschinformationen füttere, weil dies in die Agenda der damaligen Reagan-Regierung passte? Nur nebenbei: Kennen Sie die Geschichte von „Topas“, und seiner Rolle im Kalten Krieg? *3
A: Auf S. 62 in meinem Buch nehme ich zu Claire Sterling Stellung. Ihre auf amerikanische Geheimdienste gestützten Recherchen wurden nach 1989 durch die Öffnung östlicher Geheimdienstarchive bestätigt. Natürlich hat sie nichts dazu geschrieben, dass die USA geheimdienstlich mit ähnlichen Methoden wie der Osten gearbeitet hat, was selbst in US- und italienischen Parlamentskommissionen aufgedeckt wurde. Es ist davon auszugehen, dass der Osten einiges aufgefahren hat, um die Veröffentlichungen von Sterling zu diskreditieren. Ich verweise in meinen „Terrorismus-Lügen“ auf S. 308 z.B. auf einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1982. Derartige Diskreditierungen haben sich in unser aller Köpfen festgesetzt. Umgekehrt gibt es genauso Diskreditierungen. Das gehört zum 1x1 der Geheimdienste und ist für uns um Aufklärung Bemühte – beabsichtigterweise – leider voller Fallen. Aufklärer, die nicht auf einem Auge blind geblieben sind (ich war es auch einmal), wissen inzwischen , dass die Sterling viel Richtiges benannt hat. Gerade auf Grundlage ihrer Geheimdienst-Kontakte, die im Gegensatz zur Öffentlichkeit über das geheime Agieren der Gegenseite immer sehr gut informiert waren.
Der Top-Spion Topas ist mir bekannt. Der Umgang mit der so genannten Rosenholz-Datei legt nah, dass es noch viele andere seiner Art gegeben haben wird, die bis heute nicht enttarnt sind.
F: Was sagen Sie zu der Aussage, die ich von Herrn Yallop erhalten habe, dass im Grunde alle Staaten munter beim Terrorismus mitmischen, wenn es ihren Interessen dient. *4 Insbesondere unter Betrachtung der Aussage von Altkanzler Schmidt, der sagte, er vertraue Geheimdiensten nicht, weil da manche meinten, sie verstünden die Interessenlage des Staates besser als seine demokratischen Instanzen. *5 Eine Gefahr für die Demokratie? Ist so etwas auch aktuell- etwa im Rahmen des NSU-Skandals- denkbar?
A: „Im Grunde alle Staaten“ ist sicher zu pauschal. Für den Kalten Krieg weiß man laut Aktenlage aber definitiv, dass der Osten und der Westen (mit ihren engsten Verbündeten) im Terrorismus ein Mittel sahen, um der anderen Seite zu schaden.
Der Artikel von Ihnen, der Yallops Meinung zum Terrorismus wiedergibt, spart die Staaten des untergegangenen Ostens aus. Das widerspricht eindeutig der Aktenlage und inzwischen zugänglichen Informationen, auch den von mir zitierten Stasi-Akten. Es wäre interessant, ihn zu den Erkenntnissen über den Osten zu hören.
Aufklärungsarbeit von Justiz und gut arbeitenden Parlamentskommissionen in Italien legt nah, dass die vermeintliche Eigenständigkeit der Geheimdienste eine Schutzversion für die Politik ist. Geheimdienste sind der Regierung unterstellt. Paramilitärische Geheimtruppen, die im Terrorismus aktiv waren – so wurde aufgedeckt – waren allerdings nur Teilen der Politiker bekannt und wurden vor dem Parlament geheim gehalten. In Italien ist die Justiz/die Staatsanwaltschaften der Politik gleichgestellter, nicht weisungsgebunden untergeordnet, wie bei uns.
F: Sie haben jetzt bereits mehrere Bücher geschrieben, die sich mit dem Thema Terrorismus beschäftigen, vor allem über verborgene staatliche Hintergründe. War es für Sie beängstigend, sich eine staatliche Beteiligung am Terror vorzustellen? Immerhin sollen unsere Staaten uns beschützen, nicht terrorisieren, aus welchen Gründen auch immer. Ist es heute noch beängstigend, oder gewöhnt man sich an die Vorstellung? Haben Sie Angst vor Repressionen?
A: Ich halte das Thema für äußerst beunruhigend, deshalb versuche ich aufzuklären.
F: : Was sagen Sie zu dem Versuch des Spiegels im letzten September, Andreas von Bülow zu diskreditieren, in dem man behauptete, er hätte vielleicht etwas zu viel erfahren über die „tatsächlichen Sauerein, die sich auch der Westen erlaubt hätte“ [während des Kalten Kriegs]*5, bei der sein „düsteres Weltbild“ entstanden sei, was nach der Schlussfolgerung des Spiegel-Autors seine Existenz als Verschwörungstheoretiker erst begründet hätte. Ist das nicht eine weitere boshafte Form, wie man die Debatte sabotiert, in dem Bülow ein falsches Motiv unterstellt wird? Und man gar nicht erst auf die sachlichen Fragen einsteigt?
A: Aufklärer in diesen Bereichen werden immer diskreditiert. Andreas von Bülow ist sicherlich ein Aufklärer, aber es ist erstaunlich, dass er (wie übrigens auch Yallop) den Osten im Kalten Krieg immer noch völlig außen vor lässt, obwohl doch die Akten und die Logik des Kalten Krieges den Schluss nahe legen, dass beide Seiten mit gleichen verdeckten Methoden sich Schaden zufügen wollten. Das war ja nun das Wesen des Kalten Krieges.
F: In den USA gab es, beginnend mit der Wahl von George W. Bush, eine Transformation der Gesellschaft, zuletzt sehr gut dargestellt in Bernd Greiners „9/11: Der Tag, die Angst, die Folgen“, wobei eine Gruppe die Macht übernahm, die scheinbar skrupellos nach den Anschlägen vom 11.9.2001 ihre eigene, vorher gefasste Agenda umsetzte und die „präsidiale Hegemonie“ stärkte, so weit, dass etwa das Recht auf Kriegsführung de fakto dem Kongress und Senat genommen und in die Hände des Präsidenten gelegt wurde. Und man anschließend lange geplante Kriege führte, die man zumindest beim Irak mit wechselnden Lügen begründete. Manche nennen sie Neocons, Vulcans, PNAC’ler, gemeinsam ist ihnen aber, dass sie nicht so sehr an die Demokratie glauben können, sondern eher an Macciavelli, Leo Strauß oder Carl Schmitt, an einen äußeren, wahrnehmbaren Feind, zur inneren Einigung, an ein katalysatorisches Ereignis, mit dem man Geschichte formen kann und an die noble Lüge, wenn man dem Volk nicht die Wahrheit über einen Sachverhalt erzählen kann.
Ist es gemäß dieser Philosophie möglich, dass bestimmte Elemente der Regierung auch bei den Anschlägen des 11. Septembers ein Auge zudrückten, damit diese geschehen konnten, oder gar aktiv mithalfen? Immerhin haben Sie eine Menge Erfahrung mit dem Personenkreis, der Staatsterror durchführt, wie dieser denkt und tickt. Und der 11. September war ja nun das „policy shaping“-Ereignis des neuen Jahrhunderts. Was ist Ihre Einschätzung zum 11. September und die von der sogenannten Wahrheitsbewegung vorgetragenen Kritik an der staatsoffiziellen Version, wobei man die Hauptpunkte folgendermaßen zusammenfassen könnte: Detailliertes, unterdrücktes Vorauswissen bei diversen Stellen, Insiderhandel, Wargames / Übungen, Ausbleiben der Flugabwehr, Abwesenheit der Entscheider, Osama bin Ladens Dementis, bei späterer Vorlage eines falsch übersetzten „Geständnisses“ durch das Pentagon, und vor allem dem dubiosen Einsturz des WTC 7-Hochhauses. Ist da was dran oder sind das nur Verschwörungstheorien?
A: Dass die offiziellen Erklärungen zum 11.9.2001 nicht stimmen können, zeigen die zahlreichen Widersprüche. So ist es nur logisch, dass Aufklärer in aller Welt sich daransetzen, diese Widersprüche ihrerseits zu erklären und Thesen aufstellen, um diese gigantischen Ereignisse, hinter denen nur eine Verschwörung - und nicht die Tat eines Einzelnen - stehen können, zu erklären. Doch Thesenbildung, die Ermittlungen der Justiz als eine seriöse und wissenschaftliche Methode der logischen Ableitung praktizieren, wird bei Nicht-Juristen bzw. Journalisten in diesem Bereich gesellschaftlicher Grauzonen gerne diskreditiert. Wer Aufklärung verhindern will, versucht Mutmaßungen, Thesenbildungen und Wahrscheinlichkeitsaufstellungen gerne als »unseriös«, »spekulativ« oder »verschwörungstheoretisch« herabzusetzen. (s. dazu meine Ausführungen in „Terrorismus-Lügen“ auf S. 15)
F: Vielen Dank für dieses Interview!
Quellen zur Befragung:
*1:
ZEIT: Gab es denn eine besondere Form des Terrorismus in Deutschland durch Baader, Meinhof und die anderen?
Schmidt: Ich habe den Verdacht, dass sich alle Terrorismen, egal, ob die deutsche RAF, die italienischen Brigate Rosse, die Franzosen, Iren, Spanier oder Araber, in ihrer Menschenverachtung wenig nehmen. Sie werden übertroffen von bestimmten Formen von Staatsterrorismus.
ZEIT: Ist das Ihr Ernst? Wen meinen Sie?
Schmidt: Belassen wir es dabei. Aber ich meine wirklich, was ich sage.
http://www.zeit.de/2007/36/Interview-Helmut-Schmidt/seite-7
*2:
http://www.amazon.de/review/R12C7UE4ZOCL5N/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3776626984&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books
*3
http://www.heise.de/tp/artikel/29/29076/1.html
*4:
Ich habe ihn wegen des Buches abgeschrieben und gefragt, ob Staaten Terror als politisches Instrument benutzen. Er hat mir geantwortet, dass er keinerlei Zweifel hätte, dass Terror häufig von denen, die glauben, dass sie Vorteile davon hätten oder haben könnten, erschaffen würde. Er behauptet, es gäbe viele Beispiele für solche Aktivitäten, vom CIA, dem Mossad, dem gegenwärtigen iranischen Regime, von verschiedenen französischen Regierungen ...
http://www.911-archiv.net/Blog/Lybien-und-Gaddafi-Paradebeispiel-westlicher-Desinformation-und-Staatsterrorismus.html?print=1&tmpl=component
*5:
Schmidt: … Ich traue inzwischen überhaupt keinem Geheimdienst mehr. Punkt.
ZEIT: Wie sind Sie denn zu dieser Einsicht gekommen?
Schmidt: Das sind arme Schweine. Die leiden unter zwei psychischen Krankheiten: Die eine Krankheit beruht darauf, dass sie für das, was sie tatsächlich leisten, niemals öffentliche Anerkennung bekommen. Es ist unvermeidlich so, sie müssen ja im Verborgenen arbeiten. Das deformiert die Seele. Die andere Krankheit beruht darauf, dass sie tendenziell dazu neigen, zu glauben, sie verstünden die nationalen Interessen des eigenen Landes viel besser als die eigene Regierung. Diese letztere Krankheit ist der Grund dafür, dass ich ihnen nicht traue. Ich war 13 Jahre lang Mitglied einer Bundesregierung. Ein einziges Mal habe ich den Chef des BND für zehn Minuten empfangen; das war einer, den ich kannte.
http://www.zeit.de/2007/36/Interview-Helmut-Schmidt/seite-6
6: Bülow selbst hat vielleicht zu viel erfahren über die tatsächlichen Sauereien, die sich auch der Westen im Kalten Krieg erlaubte. Als Staatssekretär im Verteidigungsministerium (1974-1980), als Mitglied des parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, vor allem aber im Schalck-Golodkowski-Untersuchungsausschuss, in dem die Machenschaften des DDR-Devisenbeschaffers beleuchtet werden sollten. Damals entstand das düstere Weltbild, das er heute so selbstverständlich in seinen Alltag integriert hat. Ein Weltbild, das von dunklen Machenschaften im Hinterzimmer geprägt ist, von geostrategischen Erwägungen ohne Rücksicht auf menschliche Opfer, vom festen Glauben an unbezwingbare Mächte, die im Verborgenen wirken.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/9-11-verschwoerungstheorien-flugzeuge-im-kopf-a-783641.html
„Europa im Erdölrausch". Können Sie kurz umreißen, um was es darin geht?
A, Dr. Daniele Ganser: Das Buch schildert den globalen Kampf ums Erdöl, und zwar vom Beginn der Erdölförderung 1859 über den Bau der ersten Pipelines und Raffinerien bis zu den Weltkriegen. Danach werden die Suezkrise 1956 und die Kriege im Nahen Osten durchleuchtet. Vor allem aber zeige ich, dass die Erdölproduktion in Norwegen und Grossbritannien seit dem Erreichen des Fördermaximums Peak Oil im Jahre 2000 fällt, dass also die Importabhängigkeit von Europa zunimmt. Das Erdöl wird knapp, auch die USA und China sind auf Importe angewiesen. Ein Kapitel zur Energiewende und zum Notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien schliesst das Buch ab.

Europa im Erdölrausch -
Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit
Daniele Ganser
416 Seiten, 24,95 €
zu bestellen bei Amazon
F: Wir haben bereits vernommen, dass es auch ein Kapitel darin geben soll, in dem es um 9/11 geht. Wie kommt das? Um was geht es konkret?
A: Im Kapitel zum Angriff auf den Irak 2003 durch Grossbritannien und die USA erkläre ich, wie die Geschichte mit den ABC-Waffen von Saddam Hussein gelogen war. Ich zeige auch auf, dass es gelogen war, den Irak mit 9/11 in Verbindung zu bringen, obschon viele US Soldaten der irrigen Meinung sind, der Irakkrieg sei die Antwort der USA gegen die Terroranschläge. Die 9/11 Debatte nimmt nur in etwa drei Seiten meines 400 Seiten langen Buches „Erdölrausch" ein. Dort zeige ich, dass auch heute noch intensiv darüber gestritten wird, was am 11. September 2001 wirklich geschah, und dass es in den USA Autoren wie Michael Ruppert gibt, welche die Ansicht vertreten, dass 9/11 von der Administration Bush manipuliert wurde um Erdölkriege zu führen und die Bürgerrechte abzubauen. Mich persönlich interessiert bei 9/11 vor allem der mysteriöse Einsturz von WTC 7. Man vergisst gerne, dass die Historiker die Geschichte schreiben und sich nun erneut mit 9/11 und den verschiedenen sich wiedersprechenden Geschichten auseinandersetzen müssen. Die Anschläge sind ungeklärt und müssen neu untersucht werden. Sicher ist aber: Die Erdölproduktion von Europa fällt. Die Abhängigkeit der Welt ist gross, wir brauchen täglich 44 Supertanker Erdöl.
F: Sie haben mit „NATO Geheimarmeen in Europa" eines der Standard-Werke zu „Gladio" und deren Machenschaften publiziert.
Durch gewisse Quellen ist uns zu Ohren gekommen, dass der Bundesanwalt Walter Hemberger, Vertreter der Anklage im jüngsten Buback-Prozess, zugab, es schon 2009, also gleich nach Erscheinen, gelesen zu haben. Hemberger, der es laut Chaussy in einem Zeit-Artikel war, der die Genehmigung zur Vernichtung der Oktoberfestattentat-Asservate gab. Ist man also auf Seiten der Staatsanwaltschaft doch an solch Fällen interessiert, obwohl es niemals zu irgendeiner staatsanwaltschaftliche Ermittlung in Sachen „Gladio" kam? Genauso wie beim Oktoberfestattentat, jede Wiederaufnahme der Untersuchungen abgelehnt wird, obwohl zuletzt selbst der Spiegel berichtet hatte, dass Akten vorliegen würden, die umfangreiche Kontakte des Attentäters Köhler in die rechte Szene belegen und weitere Verbindungen existieren, die einen nachdenklich machen können, wie etwa ein Konvoi von gebrauchten Autos, geschmuggelt von Rechtsextremen unter Beaufsichtigung des Verfassungsschutzes, welcher sich am Tag des Oktoberfestattentats in München befand, auf dem Weg in den Nahen Osten – mögliche Operationen im Kontext „Gladio"?
A: Mein Buch zu den NATO Geheimarmeen wurde in 10 Sprachen übersetzt und von mehr als 10'000 Menschen gekauft, wer es alles gelesen hat, weiß ich daher nicht. Im Buch zeige ich, dass es auch in Deutschland eine NATO-Geheimarmee gegeben hat, das ist erwiesen. Im militärischen Jargon spricht man von „Gladio" oder „stay-behind". Ob diese Geheimarmee in das Oktoberfestattentat 1980 verwickelt war, ist nicht geklärt. Vor allem die Verbindungen zu Heinz Lembke sind interessant, da er ein großes Waffenlager unterhielt. Die Frage steht im Raum, ob dieses Lager zum Gladio Arsenal gehörte und für den Anschlag genutzt wurde. Ich habe immer gefordert, dass die Geschichte der deutschen Geheimarmee wie auch mögliche Verbindungen zum Oktoberfestanschlag von staatlichen Stellen untersucht werde und dass man einen öffentlichen Bericht dazu fertige mit den Namen der Menschen, welche die Geheimarmee leiteten und einer Karte, wo die Waffenlager waren. In Italien, Belgien und der Schweiz haben die nationalen Parlamente die Geheimarmeen untersucht und interessante Berichte veröffentlicht. Doch in Deutschland gab es das nie, obschon auch das EU Parlament 1990 eine Untersuchung der Gladio Strukturen forderte, immerhin geht es um den Verdacht von inszeniertem Terror. Vermutlich wurden Akten vernichtet. Auch die NATO, welche die Geheimarmeen koordinierte und die CIA und der MI6 schweigen eisern zum Thema.
F: Regine Igel, die Sie sicherlich kennen, hat nicht nur zu „Gladio" in Italien publiziert, sondern jüngst auch das Werk „Terrorismuslügen- Wie die Stasi im Untergrund agierte" vorgestellt. Haben Sie das schon gelesen? Ihre Meinung dazu? Ein etwaiger Vorwurf, aus Antiamerikanismus in Sachen Gladio zu schreiben hat ja wohl nun kein Bestand mehr.
A: Ja, ich kenne Regine Igel, sie ist eine sehr gute und mutige Journalistin. Ich habe ihr Buch zur Stasi noch nicht lesen können, aber ihr Buch zu Andreotti steht bei mir im Bücherregal, das habe ich gelesen, das ist sehr spannend.
F: Herr Ganser, Sie haben am 6.9. einen Auftritt bei 3-Sat, am Tag danach halten Sie einen Vortrag in Thun, in beiden Auftritten geht es um 9/11 , bei 3-Sat vor allem um die Frage, wann etwas eine Verschwörung sei und wie man entscheiden könne, ob an dieser etwas dran ist.
A: Ja, das stimmt, ich nehme an der 3sat Diskussion bei „Scobel" teil, weil ich glaube, dass das eine gute und seriöse Sendung ist, daher habe ich zugesagt. Eine Verschwörung ist definiert als eine geheime Absprache von zwei oder drei Personen, um ein Ziel zu erreichen. Das gibt es immer wieder in der Geschichte. Die ABC-Waffen-Lügen vor dem Irakkrieg waren eine Verschwörung. Der Terroranschlag auf das Greenpeace Schiff Rainbow Warrior 1985 durch den französischen Geheimdienst war eine Verschwörung. Iran-Contra war eine Verschwörung, ich werde das in der Sendung darlegen, wenn es die Zeit erlaubt. Die Diskussion ist live, da weiss man nie, wie sich ein Thema entwickelt.
F: Was halten Sie jemanden wie Dr. Thomas Grüter entgegen, wenn dieser mögliche Motive und Methoden der sogenannten Verschwörungstheoretiker generalisiert?
A: Ich kenne Herrn Grüter nicht und habe ihn noch nie getroffen. Ich werde ihm zuhören und seine Argumente prüfen und hoffe, dass es eine spannende Debatte gibt.
F: Was sagen Sie zu den Kritikern innerhalb des 9/11 Truth-Movements, die behaupten, LIHOP vs MIHOP wäre eine falsche Dichotomie, da es kaum Unterschiede in der Bewertung geben würde, ob man etwas aktiv zulässt, was auch Nichtstun (etwa bei der Flugabwehr!- oder die Wargames/Übungen) beinhaltet, oder man selbst mithilft? Da auch Sie diese Begrifflichkeiten verwenden, ist Ihnen bekannt, dass die Begrifflichkeiten von Nico Haupt ins Leben gerufen worden sind, der die letzten Jahre hauptsächlich damit auffiel, immer verwirrter zu werden und andere Menschen gewalttätig anzugreifen. Könnte es sein, dass mit diesen Trennungen Lagerverhalten und Streitigkeiten provoziert werden sollen? Letztlich ist der gemeinsame Nenner aller, die an der offiziellen Version zum 11.9. zweifeln doch, dass die offizielle Version nicht wahr sein kann. Und kein Lagerdenken, welches potenziell entzweit.
A: Es ist tatsächlich wichtig, dass alle Menschen, welche gute und solide Fragen zu 911 haben, wie etwa der Einsturz von WTC7, sich nicht untereinander verstreiten sondern sachlich und ruhig gemeinsam eine neue Untersuchung fordern. Ich unterscheide bei den verschiedenen Geschichten zu 911 immer zwischen SURPRISE, LIHOP und MIHOP, wo in den USA diese Begriffe zum ersten Mal aufgetaucht sind, weiß ich nicht. Ich finde diese Unterscheidungen wertvoll, weil sie drei verschiedene Geschichten zeigen, die nicht gleichzeitig wahr sein können. Vergessen Sie nicht: Die Geschichtsschreibung muss sich auf eine Version festlegen in Zukunft. Was wollen wir unseren Kindern und Enkeln erzählen, wenn sie fragen, was am 11. September 2001 passierte?
F: Was sind Ihrer Meinung die überzeugendsten Gründe für eine neue Untersuchung des 11.9. ? Wer kann oder sollte diese leisten?
A: Für mich ist der Einsturz von WTC 7, der zudem von BBC zu früh vermeldet wurde, der wichtigste Grund, dass jeder Mensch nochmals über 9/11 nachdenken sollte. Diese neue Untersuchung des Phänomens 9/11 ist zuallererst eine sehr persönliche Sache, die jeder in seinem eigenen Kopf zu leisten hat. Das ist eine Anforderung für das eigene freie Denken, unabhängig von allen Medien und Institutionen. Zu einem späteren Zeitpunkt wäre es wertvoll, wenn Universitäten und staatliche Stellen an einer neuen 9/11 Untersuchung mitarbeiten. Doch derzeit sieht es nicht danach aus, man scheut das Thema sehr. Ich habe zum 10. Jahrestag an der Universität Basel einen Vortrag zu 9/11 gehalten und die offenen Fragen angesprochen, in Zusammenarbeit mit der Indiana University in den USA. Der Vortrag ist jetzt auf meiner Website: http://www.danieleganser.ch/Vortrege.html Aber es gab danach Kritik von verschiedenen Stellen, so dass ich mir heute nicht vorstellen kann, dass Universitäten oder staatliche Stellen demnächst 911 kritisch untersuchen werden.
F: Was halten Sie vom Ansatz des 9/11 Consensus-Projektes, in dem bestimmte Punkte vorformuliert und dann mittels Delphi-Methode abgestimmt wird, ob diese valide sind. Eine Gefahr, wenn die Peers alle schon vorbelastet sind?
A: Dieses Projekt kenne ich nicht. Ich glaube es ist grundsätzlich sinnvoll, wenn man sich global über das Internet zum Thema 911 austauscht. Aber ich denke jeder Forscher und jede Forscherin muss ein Feld abgrenzen, das er vertieft bearbeiten will. Man kann nicht alles zum Thema lesen und jede Debatte verfolgen, sonst verliert man sich völlig in der Informationsflut. Weniger ist da oft mehr. Das Wenige sollte man aber möglichst genau und über lange Zeit prüfen und überdenken.
F: Herr Ganser, nochmals vielen Dank für dieses Interview!
Der 1934 geborene Prof. Dr. David Ray Griffin ist pensionierter Professor der Philosophie und der Theologie. Der Anhänger der Ideen Alfred North Whiteheads, neben Bertrand Russell der wichtigste britische Philosoph des 20. Jahrhunderts, hatte bereits mehr als 20 Bücher zu religiös-philosophischen Themen veröffentlicht, als er 2003 auf die unbeantworteten Fragen rund um den 11. September 2001 stieß. Inzwischen hat Griffin sieben Bücher über den "Tag, der die Welt veränderte," geschrieben. Am 9. Mai hielt Griffin im Rahmen einer Europa-Tournee einen Vortrag im Hamburger Kino Magazin. Im Anschluß stellte er sich dem Schattenblick für folgendes Interview zur Verfügung:
Dr. David Ray Griffin
© 2009 by Schattenblick
DRG: Also am 11. September selbst und noch kurz darauf akzeptierte ich die Interpretation von liberaler Seite, daß dies ein Gegenangriff als Reaktion auf die US-amerikanische Politik im speziellen in der arabischen und der muslimischen Welt war. So etwas öffentlich in Amerika auch nur zu sagen, war damals nicht erlaubt. Man durfte nicht sagen: "Das haben wir uns selbst eingebrockt." Eine Reihe bekannter Leute wurde sehr heftig kritisiert, weil sie so etwas andeuteten. Aber es hat mich darauf gebracht, daß ich in einem Buch über globale Demokratie, an dem ich seit 1992 arbeitete, kein Kapitel über den amerikanischen Imperialismus hatte. In jedem Kapitel, ganz gleich, wovon es handelte - die ökologische Krise, globale Apartheid oder was auch immer - war Amerika stets ein wichtiger Faktor. Bis dahin hatte ich den amerikanischen Imperialismus als solchen noch nicht ins Visier genommen, also kam ich nun zu dem Schluß, daß ich ein Kapitel darüber brauchte und begann, es zu schreiben. Doch wenn man einmal mit dem amerikanischen Imperialismus anfängt, gibt es kein Ende. Also war das Kapitel bald genauso lang wie der Rest des Buchs. Nach und nach wurde mir klar, daß ich da an einem weiteren Buch arbeitete. Ich hatte also dieses Buch ungefähr zu zwei Dritteln fertig, als mir jemand im März 2003 eine Kurzfassung von Paul Thompsons Complete 9/11 Timeline zuschickte. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich der Idee öffnete, daß 9/11 das Werk von Insidern gewesen sein könnte. Ein Kollege auf Besuch, ein Professor von einer anderen Schule, hatte mir das schon einige Monate zuvor im September 2002 nahegelegt. Ich hatte mir das angehört und es für möglich gehalten, hatte aber gesagt, ich bräuchte Beweise. Und er sagte: "Die schicke ich." Er hatte mir eine Liste von Webadressen geschickt. Ich habe sie mir angesehen, fand das Material nicht überzeugend, und habe ich mich wieder an die Arbeit an meinem Buch über amerikanischen Imperialismus gemacht. Als ich aber Paul Thompsons 9/11 Timeline bekam, erkannte ich, daß es wahrhaft Hunderte von Berichten in den Mainstream-Veröffentlichungen gab, die irgendeinem Teil der offiziellen Geschichte widersprachen. Also fing ich mit einem Artikel über 9/11 an, von dem ich dachte, ich könnte ihn in der einen oder anderen Zeitschrift wie zum Beispiel Harper's veröffentlichen. Aber es passierte das gleiche. Ich fing an zu schreiben, und er wurde länger und länger. Und recht schnell wurde mir klar, daß es ein Buch wurde. Irgendwie fühlte ich mich verpflichtet, es zu schreiben, denn zu der Zeit hatte ich bereits 25 Bücher veröffentlicht. Also dachte ich: "Nun gut, ich werde auch hierzu etwas veröffentlichen können." Doch obwohl ich so viele Veröffentlichungen aufweisen konnte und man meine Bücher allgemein als ziemlich gut ansah, stellte es sich als extrem schwierig heraus. Doch zum Thema 9/11 beantworteten die Verlagsredakteure nicht einmal meinen Brief. Schließlich stieß ich auf Interlink Books, die dann 2004 "The New Pearl Harbour: Disturbing Questions about the Bush Administration and 9/11" veröffentlichten. So bin ich also dazu gekommen.
SB: Obgleich das Gegenteil behauptet wird, gibt es einen ganzen Berg von Beweisen, die ziemlich deutlich zeigen, daß spätestens seit 2000 die amerikanischen Geheimdienste die Bewegungen einer Anzahl von ausländischen Muslimen in den USA überwachten, die später als Täter oder Beteiligte an der Konspiration präsentiert werden sollten: Das Oberkommando der Spezialkräfte in Florida verfolgte Mohamed Atta im Rahmen des Programms Able Danger; Chalid Al Midhar und Nawaz Al Hazmi lebten zusammen mit einem FBI-Informanten namens Abdussattar Sheikh in San Diego, und ihre Telefonanrufe wurden von der NSA in Fort Meade, Maryland, abgehört. Zacarias Moussaoui, der sogenannte "20. Hijacker", wurde am 16. August 2001 verhaftet, nachdem er in einer Flugschule in Minnesota Verdacht erregt hatte. Und wie wir von Coleen Rowley wissen, torpedierte das FBI Hauptquartier die Versuche seines eigenen Außendienstbüros in Minneapolis, eine Ermächtigung vom FISA-Gericht zu bekommen, dessen Laptop und Telefondaten zu durchsuchen, obgleich nur wenige Wochen zuvor Kenneth Williams, ein FBI-Agent in Phoenix verdächtige Aktivitäten arabischer Flugschüler in Arizona gemeldet und empfohlen hatte, alle Schulen dieser Art auf potentielle terroristische Flugzeugentführer zu überprüfen. In einem kürzlich erschienenen Artikel beschuldigte Ray McGovern, der für vier US-Präsidenten die täglichen CIA-Briefings vorbereitet und präsentiert hatte, George Tenet, 2004 die 9/11-Kommission unter Eid mit der Aussage angelogen zu haben, er habe George W. Bush nicht ein einziges Mal während der außerordentlich langen Ferien des Präsidenten im August 2001 auf seiner Ranch in Crawford getroffen. [1] Wie McGovern unter Bezugnahme auf die Autobiographie von Tenet darlegte, besuchte der damalige Direktor der Central Intelligence Bush zweimal während dieser Periode in Texas: einmal um das berüchtigte tägliche Briefing für den Präsidenten vom 6. August 2001 mit dem Titel "Bin Laden entschlossen, in den USA zuzuschlagen", und einmal, um die Festnahme von Moussaoui zu besprechen. Aus all dem könnte man schließen, daß Washington die Angriffe sehr wohl hätte verhindern können, es aber vorzog, es nicht zu tun. Zu welchen Schlußfolgerungen sind Sie in dieser Sache gelangt?
DRG: Nun, das ist alles sehr mysteriös. Wie Ihre Frage schon anklingen läßt, stützt diese Art von Beweisen die Idee, daß die Anschläge wirklich von diesen muslimischen Al-Kaida-Mitgliedern organisiert wurden und daß die amerikanische Regierung davon wußte, es aber geschehen ließ. Ist das nun alles Teil einer vorbereiteten Geschichte, die man präsentieren konnte, damit die Menschen den Schluß daraus ziehen würden "Also, unsere Regierung ist irgendwie unfähig" oder "Wer weiß das schon"? Solche Beweise stützen aber die These, daß es wirklich Flugzeugentführer gab und so weiter und so fort. Welche Rolle spielten nun Atta und diese anderen jungen Männer? Wenn sie doch fromme Muslime sein sollten, warum trieben sie sich in Kneipen herum, nahmen Kokain, tranken Alkohol, bis sie betrunken waren, und heuerten Prostituierte und Striptease-Tänzerinnen an? Warum sollte das Teil der Tarnung sein, wo doch die Rede von sehr frommen Al-Kaida-Mitgliedern ist? Und, also das sind Dinge, bei denen ich nicht sagen kann, was wirklich vor sich ging. Meine Vermutung ist, daß diese Kerle Bauernopfer sind. Aber wußten sie, daß sie Bauernopfer waren? Wußten sie, was sie da taten? Es hat den Anschein, als sei Atta in den Drogenschmuggel verwickelt gewesen. Alle Informationen über das, was er in Florida gemacht hat, wie die Flugschule, deuten in diese Richtung. Er war offenbar bereits fertiger Pilot. Er brauchte keine Flugstunden. Warum ging er also zu jener Schule? Seine Freundin in Florida, eine ehemalige Striptease-Tänzerin namens Manda Keller, sagt, daß er offensichtlich dort sein Kokain bekam. Deshalb sage ich: "Alles, was wir wissen, ist, daß die offizielle Geschichte nicht stimmt." Wir wissen nicht, was wirklich geschehen ist, und wir wissen ganz sicher nicht, wer diese Jungs waren, was ihre Rolle war, was sie dachten, daß sie es täten. Aber noch einmal: Mit einer Untersuchung könnten wir das alles ziemlich schnell herausfinden.
SB: Die sogenannten 19 Flugzeugentführer scheinen von einer Reihe ausländischer Geheimdienste entweder unterstützt oder überwacht worden zu sein, während sie in den USA waren. Die Miete von Al Midhar und Al Hasmi in San Diego wurde von Prinzessin Haifa, der Frau des saudischen Kronprinzen Bandar, der zu der Zeit Botschafter in Washington war, seit langem als Freund der Bush-Familie gilt und derzeit Nationaler Sicherheitsberater in Riad ist, bezahlt. Zudem wurden beide Männer von Omar Al Bayoumi, einem mutmaßlichen Mitglied des saudischen Geheimdienstes, beaufsichtigt. Diese Tatsachen scheinen der Hauptgrund dafür zu sein, warum 27 Seiten des gemeinsamen Berichts der Geheimdienstausschüsse von Repräsentantenhaus und Senat, der im Dezember 2002 veröffentlicht wurde, ausgeschwärzt wurden. Im Vorfeld der Anschläge vom 11. September wurden einige der mutmaßlichen Flugzeugentführer von als "Kunststudenten" getarnten, israelischen Agenten überwacht. Am Nachmittag der Anschläge wurden fünf Mossad-Agenten, die offiziell für ein Transportunternehmen in New Jersey mit Namen "Urban Moving Systems" arbeiteten, verhaftet, nachdem man wegen ihrer Jubelschreie, während sie an jenem Morgen von der anderen Seite des Hudson die brennenden Zwillingstürme filmten, auf sie aufmerksam geworden war. Nachdem sie zwei Monate im Gefängnis verbracht hatten, wurden die sogenannten "Urban Movers" Ende November 2001 entlassen and nach Israel abgeschoben. Einer von ihnen, Oded Ollmer, behauptete später in einem Interview mit israelischen Medien, daß es ihre "Absicht" gewesen sei, das "Ereignis zu dokumentieren". Im Oktober 2001 bewirkte die "Times of India" den plötzlichen Rücktritt des damaligen Leiters des pakistanischen Geheimdienstes Inter-Services Intelligence Directorate, Generalleutnant Mahmoud Adhmad, durch die Behauptung, daß dieser in dem vorangegangenen Sommer aus Dubai 100.000 Dollar an Atta in Florida hätte überweisen lassen. Laut der Times of India handelte es sich bei der Person, die diese Transaktion für Generalleutnant Ahmad ausführte, um Omar Saeed Sheikh, einen britischen Staatsbürger pakistanischer Herkunft, der in Indien in terroristische Aktivitäten verwickelt gewesen ist, unter Verdacht steht, ein Doppelagent des MI6 zu sein, und zur Zeit aufgrund seiner Verwicklung in die Ermordung des Wall-Street-Journal-Reporters Daniel Pearl in Pakistan im Gefängnis sitzt. In welchem Ausmaß waren Ihrer Meinung nach ausländische Geheimdienste an den Ereignissen von 9/11 beteiligt?
© 2009 by Schattenblick
Also, warum wurde Atta vom pakistanischen ISI Geld geschickt? Kam das Geld eigentlich von der CIA und wurde über das ISI zu Atta weitergeleitet? Kann sein, wir wissen es nicht, aber das wäre eine plausible Interpretation, wenn man überlegt, daß die CIA das ISI im Grunde aufgebaut hat und mit ihm eng zusammenarbeitet, wie der BCCI-Skandal zeigte. Als Atta das Geld erhielt - und an dieser Stelle müssen wir uns sagen, der Mann, den wir Mohamed Atta nennen -, handelte es sich um den frommen Deutschstudenten? Wohl kaum. Es gab einen Mohamed Atta, der ein frommer Moslem war. Jener Kerl war ganz sicher kein frommer Moslem. Nun also, der Mann, den wir Mohamed Atta nennen, dessen Bild sich im Bericht der 9/11-Kommission findet, der dieses Geld erhielt - was dachte er, wofür er das Geld bekommt? Bekam er das Geld für den Handel mit Drogen? Haben sie ihm einfach nur gesagt: "Hier sind deine Anweisungen. Du sollst dies tun ... und dann sollst du nach Boston fahren." Wir wissen es nicht. Wußte er, daß die 9/11-Operation bevorstand und daß er dafür als Sündenbock würde herhalten müssen? Vielleicht ja, wir wissen es aber nicht. Noch einmal bezogen auf die Frage, was wirklich am 11. September passierte, ich bin mir bei manchen Dingen ziemlich sicher: daß die Zwillingstürme und Gebäude 7 mit Sprengstoff zum Einsturz gebracht wurden, daß Flug 77 nicht in das Pentagon eingeschlagen ist und daß es keine muslimischen Entführer in den Flugzeugen gegeben hat. Aber das, was ich weiß, ist im Grunde nur Negatives, nämlich daß die offizielle Geschichte nicht wahr ist. Was die Frage, was wirklich passiert ist, betrifft, komme ich nochmal darauf zurück und sage: Wir brauchen eine Untersuchung, und dann könnten wir es recht schnell herausfinden.
SB: Das seltsame Benehmen von Präsident Bush am Morgen des 11. September ist etwas, mit dem Sie sich detailliert in Ihren Büchern befaßt haben. Im November 2001, bei seinem ersten Besuch in Florida nach jenem verhängnisvollen Tag, behauptete Bush während eines Treffens in einer Stadthalle auf eine Frage hin, er habe gesehen, wie das erste Flugzeug in das World Trade Center - American-Airlines-Flug-11 in den Nordturm - stürzte, 'bevor' er in eine Schulklasse voller Kinder ging, um eine Geschichte über eine Ziege zu hören, und habe lediglich zu sich selbst gesagt: "Das ist echt ein schlechter Pilot". Wenn das stimmt, hieße das, daß Bush den Angriff live gesehen hat - denn das Filmmaterial, das der Rest der Welt gesehen hat und das von einer Straße mitten in Manhattan von den Brüdern Gedeon und Jules Naudet gedreht wurde, wurde erst 12 Stunden nach dem Ereignis gesendet -, und daß das berühmte Bild von Andrew Card, wie er dem Präsidenten vor dem Klassenzimmer etwas ins Ohr flüstert, in dem Moment aufgenommen wurde, als der Stabschef den Präsidenten über den zweiten Aufprall, von United-Airlines-Flug-175 in den Südturm, informierte. Es hat Berichte in der alternativen Presse gegeben, daß Bush den ersten Einsturz über eine Live-Übertragung auf den Monitor in der Limousine seines Bruders Jeb, des Gouverneurs von Florida, gesehen hätte. Was halten Sie von Bushs unglaublichem Kommentar, den zu erklären, sich die Mainstreammedien nicht bemüht haben, und von der Version der Ereignisse, die seine schärfsten Gegner gerne glauben würden?
DRG: Ich vermute, daß die Geschichte wahr ist, daß er den ersten Angriff mittels irgendeiner Privatübertragung live gesehen hat, da Kameras aufgestellt waren, um den ersten Angriff aufzuzeichnen. Es liegt auf der Hand, daß man Kameras aufgestellt hat, um den Angriff aufzuzeichnen. Aber ich kann nicht behaupten, daß ich es wüßte oder auch nicht, daß ich zu 98 Prozent sicher bin, daß es wahr ist, weil es eine Frau gab - eine sehr intelligente Frau, die für die Regierung arbeitete, ganz klar eine sehr vernünftige Person, die sich in Washington auskennt -, die mir schrieb und mir mitteilte, daß sie selbst und einige ihrer Freunde den ersten Angriff live im Fernsehen gesehen hätten. Was soll man davon halten? Ich habe versucht, der Geschichte nachzugehen. Ich habe sie gebeten, mir die Namen einiger ihrer Freunde zu nennen. Ich habe versucht, jemanden zu finden, der sie interviewt, um zu sehen, ob sie dachten, sie wäre schon zu alt und hätte schon ein wenig den Überblick verloren. Am Ende konnte ich der Geschichte nicht auf den Grund gehen, also hat es ein wenig Zweifel in mir hinterlassen. Was würde das also bedeuten? Es würde bedeuten, daß diese Privatübertragung, die eigentlich nur für den Präsidenten, den Geheimdienst und so weiter bestimmt war, irgendwie ins öffentliche Fernsehen geraten ist. Nun, solche Dinge sind schon passiert. Es gab Fälle, wo Pornofilme plötzlich im Fernsehen aufgetaucht sind. Wer weiß, wie so etwas passiert. Es ist möglich, daß so etwas geschehen ist. Aber wenn es das ist, was passiert ist, würde das immer noch die Interpretation stützen, die Sie nahegelegt haben, daß es eine Privatübertragung war. Aber das kommt etwas Rätselhaftes hinzu. Wir können uns vorstellen, daß Bush, der bekanntlich nicht der hellste Kopf ist, es vielleicht einmal gesagt hätte, aber er sagte es zwei- oder dreimal! Seine Leute müssen ihm doch sicher gesagt haben: "George, sag' das nicht noch einmal. Du erinnerst Dich, Du hast das nicht gesehen. Das war doch unser kleines Geheimnis." Ich weiß es also nicht.
Etwas, das ich doch weiß und in meinem Buch "9/11 Contradictions" weiterentwickelt habe, ist, daß sie zum ersten 9/11-Jahrestag versucht haben, die offizielle Geschichte in Bezug auf Bushs Verhalten in Florida abzuändern. Andrew Card ist herumgegangen und hat eine neue Geschichte erzählt. Er sagte: "Ich bin hineingegangen und habe es dem Präsidenten ins Ohr geflüstert, und der Präsident saß einige Sekunden lang da, stand dann auf, entschuldigte sich und verließ den Klassenraum mit den Worten: 'Entschuldigen Sie mich, ich muß gehen und Präsident sein. Ich habe Pflichten zu erfüllen'." Und sie haben sogar die Grundschullehrerin Sandra Kay Daniels dazu gebracht, der Los Angeles Times sowie der New York Post, glaube ich, eine falsche Geschichte zu erzählen. Doch gerade fünf Tage zuvor hatte sie einem Reporter aus Florida eine ganz andere Geschichte erzählt und erklärt, daß der Präsident einfach dagesessen und dagesessen und dagesessen habe und daß sie ihn ja nicht einfach hätte treten können und sagen: "Herr Präsident, so tun Sie doch etwas!" Aber dann haben sie sie dazu gebracht, eine Geschichte zu schreiben, die im wesentlichen genau das wiederholte, was Card berichtete, nämlich daß er in den Raum gekommen sei und Bush unterrichtet habe, woraufhin der Präsident sich entschuldigt und gesagt habe: "Ich muß mich jetzt um meine Pflichten kümmern."
Nun, Card hat diese Geschichte dem San Francisco Chronicle und Brian William bei MSNBC erzählt. Er hat sie sogar Charlie Gibson bei ABC News erzählt, während er Rove mit dabei hatte. Und so setzten Card und Rove diese neue Geschichte in die Welt. Doch als Michael Moores Film "Fahrenheit 9/11" 2004 herauskam, enthüllte dieser der ganzen Welt, daß Bush nicht sofort aufgestanden war, sondern einfach dort herumgesessen hatte. Es kam 2002 sogar ein Buch namens "Fighting Back" heraus, in dem Bill Sammon, der Korrespondent der Washington Times im Weißen Haus, der an jenem Tag in Sarasota dabei war, schrieb, daß der Präsident nicht allein fünf Minuten herumsaß, sondern daß er, nachdem er aufgestanden war, im Zimmer auch noch eine Weile herumtrödelte. Sammon, obwohl er eigentlich ein großer Anhänger von Bush war, verpaßte ihn den Spitznamen Obertrödler, weil er einfach so herumgestanden und nichts unternommen hatte, und statt dessen die Unterhaltung mit den Schülern und der Lehrerin, Frau Daniels, fortgesetzt hatte. Sie logen also. Und als der Film von Michael Moore rauskam, wußte man bei NBC genau, daß Card sie belogen hatte. Bei ABC wußte man auch, daß er und Rove gelogen hatten, und sie haben es auch nicht berichtet. Sie haben niemals gesagt: "Also wissen Sie, Card und Rove traten bei uns auf und haben uns angelogen. Wir sind drauf reingefallen. Es tut uns leid, und wir wollen die Sache jetzt richtigstellen. Hier ist, was wirklich geschah." Nein, sie haben niemals ein Wort darüber verloren.
SB: Am Morgen des 11. September, als sich die Ereignisse in New York und Arlington zutrugen, wurden Cipro-Tabletten, die gegen Tollwut schützen, an Mitarbeiter des Weißen Hauses verteilt, was darauf hinweisen könnte, daß gewisse Personen dort von den bevorstehenden Anthrax-Anschlägen wußten. Wenn man bedenkt in welchem Ausmaß die Anthrax-Briefe, die, beginnend Ende September, Chaos im US-Postdienst verursachten, fünf Menschen töteten und das Gefühl, Amerika befinde sich im Belagerungszustand, steigerten, die Verabschiedung des US-PATRIOT-Gesetzes erleichterten, die praktisch über Nacht stattfand, scheint die Annahme nicht unvernünftig zu sein, daß die gleichen Kräfte hinter beiden Attacken steckten. Wie ist Ihre Meinung dazu?
© 2009 by Schattenblick
SB: Sie haben ein ganzes Buch geschrieben, in dem Sie den Bericht der 9/11-Kommission, der 2004 veröffentlicht wurde, als Vertuschungsmanöver riesigen Ausmaßes entlarven. Viele der Schlußfolgerungen, die man in diesem Bericht daraus zieht, wie die Angriffe ausgeführt worden sein sollen, gehen auf Informationen zurück, von denen angenommen wurde, man habe sie durch das Verhör von Khalid Sheikh Mohammed, dem mutmaßlichen Drahtzieher von 9/11, erhalten. Kürzlich veröffentlichte Dokumente enthüllen, daß KSM, als er in einem "black site" der CIA gefangengehalten wurde, 185 Mal der Wasserfolter ausgesetzt und in einem Fall einen Monat lang mit hochgebunden Händen und am Boden befestigten Füßen stehend fixiert wurde. Ein weiterer Skandal erfolgte 2007, als herauskam, daß das Filmmaterial des Verhörs von KSM illegalerweise vernichtet worden war. Ein interessanter Aspekt dieser speziellen Enthüllung war die Tatsache, daß die Zerstörung der Videobänder im November 2005 stattgefunden hat, gerade nachdem Richterin Leonie Brinkema die Übergabe jeglichen in Regierungshand befindlichen Materials gefordert hatte, das von Bedeutung für die Verteidigung im Fall Moussaoui sein könnte. Diese beiden Enthüllungen lassen schwerwiegende Fragen aufkommen bezüglich der Verläßlichkeit des "Geständnisses" von KSM oder vielmehr bezüglich dessen, was er beim Verhör gesagt haben soll. Ist KSM möglicherweise ein Bauernopfer, das man zum Sündenbock aufgebaut hat?
DRG: Nun, davor steht doch noch eine weitere Frage: Ist der Mann, den sie KSM nennen, der ursprüngliche KSM? Denn der ursprüngliche KSM sprach ziemlich gut Englisch und dieser Mann in Guantánamo tut es offensichtlich nicht. Es scheint, als hätten wir es hier mit einem Doppelgänger zu tun.
SB: Es ist interessant, daß Sie die Sprachfähigkeiten erwähnen, denn der ursprüngliche KSM hatte in den achtziger Jahren in Nord-Carolina studiert ...
DRG: Das ist richtig.
SB: ... zur selben Zeit, als Ali Mohamed in Fort Bragg war, das ebenfalls in North Carolina liegt.
DRG: Das ist richtig. Es ist wie bei Osama bin Laden, der gute Englischkenntnisse hatte, und trotzdem, als er 2007 angeblich ein Video gemacht hat und sich direkt an die amerikanische Bevölkerung wandte, benutzte er sein Englisch nicht, sondern sprach auf Arabisch. So -
SB: Es gab auch Berichte - entschuldigen Sie die Unterbrechung -, daß KSM bei derselben Polizeirazzia in Karatschi getötet wurde, bei der man Ramzi Binalshibh ausgerechnet am ersten Jahrestag von 9/11 verhaftet haben soll. Die Asia Times Online berichtete dies im Oktober 2002 und behauptete sogar, daß seine Ehefrau seine Leiche identifiziert habe.
DRG: Das stimmt.
SB: Also ist es durchaus möglich, daß die Person, die man uns jetzt in Guantánamo als KSM präsentiert, nicht der ursprüngliche KSM ist. Oder scheint das weit hergeholt zu sein?
DRG: Nein, ich nehme an, daß das der Fall ist, was darauf hindeuten würde, daß alles, was sie uns erzählen, gelogen ist. Um auf Ihre Frage zurückzukommen, KSM, der Mann, den sie KSM nennen, soll nahezu alles außer das Attentat auf Abraham Lincoln gestanden haben. Laut den offiziellen Dokumenten hat er sogar gestanden, daß Al Kaida einen Anschlag auf die Plaza Bank in Seattle plante, was recht außergewöhnlich ist, wenn man bedenkt, daß das Gebäude erst 2006 eingeweiht wurde, nicht einmal existierte, als er im Frühjahr 2003 verhaftet wurde. Das zeigt nur, daß sein sogenanntes Geständnis nichts wert ist.
Jetzt kommt eine interessante Sache, was die Mainstream-Presse betrifft. Seit einiger Zeit wird in vollem Umfang in der Presse die Tatsache diskutiert, daß die ganzen Details aus den Geständnissen von KSM und den anderen inhaftierten Al-Kaida-Mitgliedern, welche die 9/11-Kommission als Material benutzt hat, um ihre Geschichte von der Planung des 9/11 - wie Osama Bin Laden Mohammed Atta als Anführer ausgewählt hatte usw. - zu konstruieren, von der CIA stammten. Und Tom Keane und Lee Hamilton, die Kovorsitzenden der Kommission, offenbarten in ihrem Buch, daß sie mit keinem dieser Leute reden durften, daß sie keine Vernehmung beobachten durften, und daß sie nicht einmal mit den Befragern sprechen durften, welche die Erkenntnisse gewonnen haben. Also haben sie im Grunde genommen Informationen aus dritter Hand bekommen. Und das einzige Mal, daß sie ehrlich waren, war, als sie offen zugaben: "Wir haben keine Möglichkeit zu wissen, ob irgend etwas davon wahr ist." Das steht in dem Buch, das sie 2006 veröffentlicht haben, das die sogenannte Inside-Story der 9/11-Kommission sein soll. Doch im Abschlußbericht der 9/11-Kommission benutzten sie - d. h. benutze Philip Zelikow, denn er ist eigentlich derjenige, der den Bericht geschrieben hat - alle diese Informationen, um die offizielle Version zu konstruieren. Und nun räumen die Kovorsitzenden der Kommission ein, daß sie keine Möglichkeit hatten, zu wissen, ob irgendeine dieser Informationen zuverlässig war, was auch jetzt in der Presse herausgekommen ist, daß nämlich alle Informationen, von denen die CIA sagt, sie habe sie von KSM und den anderen erhalten, wahrscheinlich durch Folter, durch ungeheuer schwere Folter, erlangt wurden. Und wie wir wissen, kann man Menschen unter Folter dazu bringen, praktisch alles zu sagen, was man will. Trotz dieser beiden Enthüllungen glaubt die Presse immer noch die offizielle Geschichte, obwohl sie auf Dingen beruht, von denen man weiß, daß man sie nicht als zuverlässig akzeptieren kann.
Hier kommt nun ein interessanter kleiner Nebenaspekt: Yukihisa Fujita, der Senator in Japan, der Vorsitzender der "Politischen Führer für 9/11-Wahrheit" ist und öffentlich seine Skepsis der offiziellen Geschichte gegenüber kundgetan hat, hat einen Brief an Keane und Hamilton als Kovorsitzende der Kommission geschrieben und verschiedene Dinge erwähnt, die in letzter Zeit bekannt geworden sind und die Zweifel an der Geschichte aufkommen lassen, wie sie sie im Bericht der 9/11-Kommission erzählt haben, und von denen er annahm, daß sie auch ihnen zu denken hätten geben sollen. Er verwies auf die Enthüllungen bezüglich der Mobiltelefonanrufe aus den gekaperten Passagiermaschinen sowie bezüglich des Anrufs, den Barbara Olson aus dem American-Airlines-Flug-77 mit ihrem Mann, Ted, damals Solicitor General der Bush-Regierung, getätigt haben soll, von denen allen das FBI nun sagt, daß sie niemals stattfanden. Fujita verwies zudem auf die Enthüllungen über die Folter, die Zweifel bezüglich der Verläßlichkeit der Geständnisse aufkommen lassen, und in beiden Fällen fragte er sie: "Trauen Sie Ihrem eigenen Bericht noch?" Woraufhin Keane und Hamilton einfach zurückgeschrieben haben: "Ja, das tun wir." Sie gingen im einzelnen auf keine der sieben oder acht sehr schwerwiegenden Fragen ein, die er aufwarf. Sie befaßten sich mit keiner davon im Detail. Statt dessen haben sie einfach nur geantwortet: "Ja, wir glauben den Schlußfolgerungen des Berichts immer noch." Aber wenn das Fundament des Berichts völlig ausgehöhlt worden ist, dann kann man ihm keinen Glauben mehr schenken. Das ergibt keinen Sinn.
SB: In dem Bericht der 9/11-Kommission schrieben die Autoren das Versagen des US-Sicherheitsapparats, die Angriffe vom 11. September zu verhindern, einem "Mangel an Fantasie" zu. Auf einer Pressekonferenz am 16. Mai 2002 behauptete die damalige Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, daß niemand habe "voraussehen können", daß Terroristen "versuchen würden, ein entführtes Flugzeug als Lenkwaffe einzusetzen". Dem widersprechen das bereits erwähnte tägliche Briefing des Präsidenten am 6. August 2001, später erschienene Fotos, die auf einer nationalen Katastrophenschutzübung im Oktober 2000 aufgenommen wurden, in deren Mittelpunkt ein Modell des Pentagons stand, in dessen Hof sich das Wrack einer Modell-Passagiermaschine befand, sowie die Tatsache, daß am Morgen des 11. September 2001 eine Übung stattfand unter anderem mit einem simulierten Fluzeugangriff auf das Hauptquartier des National Reconnaissance Office [mil. Nachrichtendienst für Satellitenaufklärung, NRO].
Interessanterweise hat Rice in ihrer Aussage vor der 9/11-Kommission eine völlig andere Erklärung dafür gemacht, warum im Sommer 2001 nicht mehr getan worden war, um die Angriffe zu verhindern. In dem Buch "Without Precedent", das Keane und Hamilton 2006 veröffentlichten, beschrieben die Kovorsitzenden der Kommission Rices Ausführungen folgendermaßen:
Sie berichtete der Kommission, daß die Öffentlichkeit nicht bereit war, die Anstrengungen von Präsident Bush zu unterstützen, drastische Maßnahmen gegen Al Kaida zu ergreifen. Es müßte ein katastrophales Ereignis geben, das die Menschen dazu zwingen würde, anders zu denken ... Rice wies darauf hin, daß die Nation vor 9/11 einfach nicht bereit war, drastische Maßnahmen gegen Al Kaida zu ergreifen - weder im Ausland noch durch eine Regierungsreform im Inland - und sagte: "Bis es ein katastrophales Ereignis gibt, das die Menschen dazu zwingt, anders zu denken, das die Menschen dazu zwingt, alte Sitten, alte Gebräuche und alte Ängste gegenüber dem Inlandsgeheimdienst über Bord zu werfen ... erreicht man nicht diese Art von Veränderung."Rices Sprache an dieser Stelle, "katastrophales Ereignis", klingt an jene an, die das neokonservative "Project for the New American Century" - d. h. Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, John Bolton, Richard Perle et al. - in seinem Bericht mit dem Titel "Rebuilding America's Defenses" benutzt hat, der 2000 veröffentlicht wurde und in dem die Notwendigkeit eines "katalysierenden und katastrophalen Vorfalls wie ein neues Pearl Harbor" postuliert wurde, um die amerikanische Bevölkerung für eine Kampagne imperialistischer Aggression zu mobilisieren. War es in diesem Lichte nicht ausgesprochen logisch wiewohl gleichzeitig äußerst zynisch von Bush, Rices Vertrauten und früheren Arbeitskollegen Philip Zelikow, der bereits 1998 gemeinsam mit dem früheren Leiter der CIA, John Deutch, eine Studie als Koautor für den Council on Foreign Relations unter dem Titel "Catastrophic Terrorism - Imagining the Transformative Event" verfaßt hatte, auf dessen Buchdeckel sich eine Zeichnung der Zwillingstürme im Fadenkreuz befand, als leitenden Direktor der 9/11-Kommission einzusetzen?
DRG: Ja, ich habe ausführlich über Zelikow geschrieben und darüber, wie völlig unangemessen seine Wahl war. Nun, daß Bush direkt oder Cheney, der zu der Zeit als eigentlicher Präsident agierte, konkret seine Berufung zum leitenden Direktor bewirkt hat, dafür haben wir keine Beweise. Ganz offensichtlich war Karl Rove an der Besetzung der Kommissionsposten beteiligt, denn er selbst hat Keane angerufen, um ihn zu fragen. Ob nun Rove auch dafür gesorgt hat, daß Zelikow leitender Direktor wurde? Es würde mich nicht überraschen. Eigentlich gehe ich davon aus, daß es so war. Aber wir haben keinen Beweis dafür, daß es sich so zutrug. Auf jeden Fall war er eine völlig unangemessene Wahl, wenn es die Aufgabe der Kommission sein sollte, die Wahrheit herauszufinden. Eine der Fragen, welche die Kommission hätte stellen müssen, aber natürlich niemals gestellt hat, lautete: Könnte das Weiße Haus ein Motiv gehabt haben, den Angriff zuzulassen oder ihn zu inszenieren?
SB: Wenn man sich die Aktivitäten von Ali Mohamed vor Augen führt, der, als er ein Mitglied der US-Spezialkräfte in Fort Bragg war, die Täter des ersten Bombenangriffs auf das World Trade Center 1993, in den das FBI verwickelt war, [2] ausgebildet hat -, dann entweder als CIA-Doppelagent oder FBI-Informant oder beides weitermachte und Osama Bin Ladens Leibwächter wurde sowie die Angriffe auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 organisierte und von dem man annimmt, daß er 2001 in dem Zeugenschutzprogramm des US-Justizministeriums verschwunden ist, [3] scheint es, als sei der 11. September kein isoliertes Ereignis gewesen, sondern eher Teil des Versuchs gewisser Elemente des militärisch-industriellen Komplexes in den USA, eine islamische oder "grüne" Bedrohung heraufzubeschwören, um die kommunistische oder "rote" zu ersetzen, die 1989 so plötzlich verschwunden ist. In welchem Ausmaß würden Ihre Studien in diesem Bereich eine solche These stützen?
DRG: Ich denke, es gibt keinen oder nur geringen Grund, daran zu zweifeln. Das war es, was vor sich ging. Der militärisch-industrielle Komplex brauchte einen neuen globalen Feind von ähnlichem Ausmaß wie die kommunistische Bedrohung. In der Tat hatte die amerikanische Regierung schon geraume Zeit versucht, die Menschen mit dem Terrorismus zu schrecken. Ich meine, das geht zurück bis in die Reagan-Jahre, weil bereits damals die sowjetische Gefahr allmählich in Auflösung begriffen war. Aber diese Bemühungen waren bis 9/11 erfolglos geblieben. Was Ali Mohamed betrifft, da muß ich auf Peter Dale Scott verweisen, der der Experte auf diesem Gebiet ist. Ich habe Peters Sachen gelesen und glaube, daß sie wahrscheinlich der Wahrheit entsprechen. Was Ihre These betrifft, glaube ich, daß es außer Zweifel steht, daß bestimmte Kreise in den USA versuchten, den militanten Islam zur Bedrohung der nationalen Sicherheit aufzubauen, und mit dem 11. September ist es ihnen endlich gelungen.
David Ray Griffin mit einem SB-Redakteur
© 2009 by Schattenblick
DRG: Es gibt hier einige Parallelen zwischen 9/11 und dem JFK-Attentat. Erstens handelte es sich bei beiden um Inside-Jobs. Zweitens ist es ziemlich offensichtlich, daß beide Inside-Jobs waren. Drittens weiß ein hoher Prozentsatz der Amerikaner, daß es sich um Inside-Jobs gehandelt hat. Viertens wurde es noch nicht öffentlich anerkannt, daß es Inside-Jobs waren. Gleichwohl sind beide Episoden in vielerlei Hinsicht auch wieder sehr verschieden. Erstens hat die Ermordung von JFK nicht die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen wie es 9/11 tat. Es betraf die USA, Vietnam, Kambodscha und Laos, hatte ansonsten aber keine negativen Auswirkungen auf andere Länder. Also hat man sich im Ausland nicht sonderlich dafür interessiert. 9/11 dagegen hatte negative Auswirkungen auf die Menschen in Dutzenden von Ländern, wo es zu einem Abbau der Bürgerrechte und so weiter gekommen ist. Zweitens gibt es eine weltweite 9/11-Wahrheitsbewegung. Es gab nie eine weltweite Wahrheitsbewegung um den JFK-Mord. Die ganzen Bemühungen, in jenem Fall zur Wahrheit vorzustoßen, spielten sich fast allein in den USA ab. Die Bewegung, sofern man davon überhaupt reden kann, war sehr klein. Es gab keine Wahrheitsgruppen um die Ermordung von JFK in 100 US-Städten wie es bei 9/11 der Fall ist, mit weiteren Gruppen in Kanada und fast allen europäischen Ländern. Die 9/11-Wahrheitsbewegung ist also riesig verglichen mit der JFK-Wahrheitsbewegung, die im Grunde nur aus einer Handvoll Gelehrter und einiger Buchautoren bestand. Sehr wenige Wissenschaftler und sehr wenige Experten waren daran beteiligt. Zum Vergleich können wir weltweit zehn oder zwölf Wissenschaftler- und Expertengruppen aufweisen, die jeden Tag wachsen. Es besteht also die Möglichkeit, daß, auch wenn die Wahrheit um das JFK-Attentat nie öffentlich enthüllt wurde, dies bei 9/11 geschehen könnte, weil es in allen diesen Gesichtspunkten so anders ist.
SB: Mit Blick darauf, die amerikanische Öffentlichkeit dazu zu veranlassen, einen "zweiten Blick" auf diese Ereignisse zu werfen, wäre es vielleicht eine Idee für die 9/11-Skeptiker in den USA und für ihre verschiedenen Organisationen, ihre eigene inoffizielle "Wahrheitskommission" zum 11. September zu gründen und damit eine Plattform für Zeugen zu schaffen, deren Aussagen bislang noch keine breite Aufmerksamkeit erhalten haben? Ich denke zum Beispiel an Menschen wie Sibel Edmonds, die einen Spionagering in der Übersetzungszentrale des FBI mit Verbindung zu den Organisatoren der 9/11-Angriffe aufgedeckt hat, die entlassen wurde, als sie dies ihren Vorgesetzten unterbreitete, und die durch Justizminister John Ashcroft mit Hinweis auf die "nationale Sicherheit" daran gehindert wurde, eine Aussage in dieser Angelegenheit vor dem Obersten Gericht zu machen, an William Rodriguez, den Hausmeister des WTC, der am Morgen der Anschläge Zeuge massiver Explosionen im Kellerbereich der Zwillingstürme wurde, und an vielleicht sogar einige der Flugzeugentführer, von denen man später herausfand, daß sie nach wie vor im Nahen Osten leben.
DRG: Ja. Frei nach dem Vorsitzenden Mao würde ich sagen: Laßt tausend Kommissionen blühen. Ich glaube, je mehr Kommissionen, um so besser. Das letzte Mal, als ich nach Europa kam, machte ich mich für die Idee stark, daß eine Gruppe europäischer Staaten eine Kommission bilden und Menschen, wie Sie sie erwähnt haben, Wissenschaftler aus der 9/11-Wahrheitsbewegung und Personen wie mich, die einen Überblick über das Material geben können, zusammenbringen könnte. Man könnte auch Leute, die bereit wären, die offizielle Theorie zu vertreten, wie zum Beispiel Mitglieder der 9/11-Kommission einladen, ihnen anbieten, ihre Flugkarte zu bezahlen und sie in schönen Hotels einzuquartieren - sozusagen kostenloser Urlaub in Europa -, und dann würde man sehen, ob irgend jemand kommt. Es würde natürlich niemand kommen, aber die Tatsache allein wäre ein Hinweis, daß sie unwillig oder unfähig sind, die offizielle Geschichte zu verteidigen. Und vielleicht könnten die alternative Presse und einige Organe der Mainstream-Medien über die Vorgänge berichten und darauf aufmerksam machen, daß niemand gekommen wäre, um die offizielle Version zu verteidigen. Also ja, ich finde, die Einrichtung einer 9/11-Wahrheitskommission der Bürger ist eine großartige Idee.
SB: David Ray Griffin, vielen Dank für das Interview.
Fußnoten:
1. Ray McGovern, "On Torture, the Pressure Builds",
Consortiumnews.com, 22. April, 2009
2. Ralph Blumenthal, "Tapes Depict Proposal to Thwart Bomb used in Trade Center Blast", New York Times, 28. Oktober 1993.
3. Peter Lance, "Triple Cross: How bin Laden's Master Spy Penetrated the CIA, the Green Berets and the FBI - and Why Patrick Fitzgerald Failed to Stop Him", Regan Books, 2006 (Besprochen im SCHATTENBLICK unter INFOPOOL\BUCH\SACBUCH\REZENSION/377).
Für die Übersetzung aus dem Englischen zeichnet die Schattenblick- Redaktion verantwortlich.
18. Mai 2009
Quelle des Originalbeitrags: http://www.schattenblick.de/infopool/politik/report/prin0021.html





