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Interview mit "9/11: Der Kampf um die Wahrheit" Autor Marcus B. Klöckner

"Verschwörungstheorien" zum 11. September lassen jeden fast zwangsläufig zum Medienkritiker werden, sofern man eine Hinterfragung des Ereignisses trotz diverser Verhinderungsgründe wagt. Es gibt allerhand Fragen, die sich stellen- und immer noch sehr, sehr viele, die einfach z.B. die wissenschaftlichen Beweise für eine Sprengung der World Trade Center nicht ernst nehmen, weil einfach niemand drüber berichtet.

Markus B. Klöckner, der vor kurzem sein Buch: "9/11- Der Kampf um die Wahrheit" vorgelegt hat, ist kein Verschwörungstheoretiker. Aber für seine Kritik hat er, selbst Journalist, einen beinahe einzigartigen Einblick. Ich habe dieses Buch gelesen und für das 9/11 Buch rezensiert. Gleichzeitig haben wir netterweise ein Interview mit Herrn Klöckner führen dürfen, meine Rezension seines Buches ist ebenso gerade veröffentlicht worden

9/11: Der Kampf um die Wahrheit, Marcus B. Klöckner

(Frage, 911-archiv.net): Herr Klöckner, sie haben vor kurzem das Buch „9/11 Der Kampf um die Wahrheit“ vorgelegt. Was war Ihre Motivation, dieses zu schreiben?

(Antwort, Marcus B. Klöckner): Verärgerung. 
 
(F): Wie meinen Sie das? 

(A): Die Berichterstattung der Leitmedien über den 11. September war auf eine unerträgliche Art und Weise komplexitätsreduzierend. Nahezu eine gesamte Medienlandschaft, wohlgemerkt: länderübergreifend, vertraute auf die Informationen, die aus Washington in die medialen Informationskanäle eingespeist wurden. Eine Hinterfragung der Lesart, wie sie von offizieller Seite nach außen transportiert wurde, fand in der Berichterstattung schlicht nicht statt. 
Dass die grausamen Anschläge in den USA auch tiefenpolitische Hintergründe haben könnten, wurde noch nicht einmal im Ansatz bedacht. Angesicht dessen, was über die  bis noch in die 90er existierenden geheimen Armeen, der NATO bzw. den Stay behind Strukturen bekannt ist, völlig unverständlich und nicht zu rechtfertigen. 
Eine zunehmende Unzufriedenheit über die Berichterstattung der Medien führte zur Formierung einer Gegenöffentlichkeit, die Informationen auf- und verarbeitete, die die Medien ignorierten. 
Vertreter dieser Gegenöffentlichkeit hat man darauf hin an den medialen Pranger gestellt und unter Veranschlagung eines zu tiefst beschämenden Journalismus aus dem öffentlichen Diskurs versucht zu exkommunizieren. Die Art und Weise, wie hoch reputierte Journalisten und Qualitätsmedien hier mit einer abweichenden politischen Meinung umgegangen sind, war unerträglich. Über das, was sich insbesondere 2003 in der deutschen Medienlandschaft abgespielt hat, also eine mediale Hetzjagd, die ihresgleichen sucht, muss gesprochen werden. Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben.  
 
(F): Fühlen Sie sich wie ein einsamer Mahner in der Wüste? Immerhin sind die meisten Journalisten nicht so neutral gegenüber der Gegenöffentlichkeit, die sich vor allem im Netz formiert hat. Sie scheinen einer der wenigen zu sein, die überhaupt mal 9/11 Kritisches in den Medien unterbringen können, ich denke da etwa an das Interview mit Verwaltungsrichter Dieter Deiseroth...


(A): Nein, aus diversen Gesprächen mit Kollegen weiß ich, dass es auch aufseiten von Journalisten und Medien zunehmend ein Verständnis für die Fragen der Gegenöffentlichkeit gibt. Was fehlt ist leider noch der Mut, das so schwer Vorstellbare nicht nur hinter vorgehaltener Hand auszusprechen, sondern öffentlich mit der gebotenen Professionalität zu diskutieren. 
 

(F): Sie behaupten in Ihrem Buch, dass die Medien es als Angriff auf ihre Deutungshoheit verstanden, dass 9/11 Skeptizismus aufkam. Gleichzeitig sagen Sie, viele der 9/11 Skeptiker würden zu sehr pauschalieren, wenn man die Medien als Teil einer NWO-Verschwörung bezeichnen würde. 
Ist das Problem der Medien nicht noch viel tiefer als gelegentliche aufgedeckte geheimdienstliche Einflussnahme, etwa mit den sog. Church Committee? Ich denke da an den ebenfalls bei Telepolis unter offensichtlichem Pseudonym veröffentlichten Bericht „Mein Freund der Chefredakteur“, als auch an Noam Chomsky mit seinen Filter-Thesen aus „Manufactoring Consent“, in denen es auch um die geldlichen Interessen hinter dem kommerziellen Journalismus geht. Auch ich hatte dazu in meiner Medienkritik differenzierter geschrieben. 
 
(A): In der Tat schreibe ich in meinem Buch, dass so mancher 9/11-Skeptiker im Allgemeinen häufig sehr pauschal urteilt, was sich im Speziellen dann auch im Verständnis mancher Skeptiker in Bezug auf die Rolle der Medien wiederspiegelt. 
 Immer wieder stelle ich fest, wenn ich Blogeinträge und Artikel von Mitgliedern der Gegenöffentlichkeit lese, dass von einer großen Verschwörung im Medienfeld gesprochen wird. Demnach stehen die Medien unter Kontrolle einer Machtelite, die klare Anweisungen an ihre Chefredakteure gibt und die dann als Befehlsempfänger den Journalismus umsetzen, den die Machtelite wünscht. 
In diesen Fällen haben wir es auch mit einer gehörigen Portion Komplexitätsreduktion zu tun. 
Damit will ich nicht abstreiten, dass es einflussreiche Persönlichkeiten oder Kreise gibt, die durchaus Einfluss auf die Medien ausüben können, aber die direkte Steuerung einer kompletten Medienlandschaft quasi durch direkte Anweisungen entbehrt jeder Grundlage. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu sprach von einer impliziten Zensur, die es bei den Medien gibt und die viel stärker sei, als jede direkte Zensur. Und genau das ist es auch. Die Tatsache, dass es innerhalb der deutschen Medien nie eine offene Diskussion über die Terroranschläge in den USA gab, ist eben nicht auf die große Medienverschwörung zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, dass es im Journalismus unausgesprochene Regeln gibt (wie in vielen anderen Bereichen eben auch), die nirgends explizit aufgezeichnet zu finden sind, die aber von den Medienschaffenden im Laufe ihrer journalistischen Sozialisation tief verinnerlicht wurden. Einige dieser Regeln lauten salopp gesagt: Eck nicht an, sei konform, verschrecke keine Anzeigenkunden, behalte unangenehme Wahrheiten für Dich, stör nicht den redaktionellen Tagesablauf durch Thesen, die nicht in unsere Wirklichkeitskonstruktion passen usw. usf.
Das ist mit impliziter Zensur gemeint: Journalisten wissen, was sie schreiben „dürfen“, was „sich schickt“, was „erlaubt“ ist, sie wissen genau, wo die Grenzen liegen. 
Aber es kommt noch besser. Die Einverleibung dieser Regeln, die Macht dieser impliziten Zensur  geht bei manchen Kollegen soweit, dass sie noch nicht mal mehr in der Lage sind zu erkennen, wie sehr ihre Autonomität eigentlich beschränkt ist, im Gegenteil, im vollen Glauben einen hochkritischen Journalismus abzuliefern, verkennen sie wie selbstbeschnitten ihre Arbeit eigentlich ist. Sie halten sich streng an einen Nichtangriffspakt zwischen Journalisten und Politiker – eine Formulierung, die übrigens auch von Bourdieu ist.  Angegriffen wird nur, wenn die Angriffe schon wieder vom eigenen Feld in aller Form als legitim abgesegnet wurden, also wenn es gegen jemand geht, der seinen „Kredit verspielt hat“. Nehmen Sie von Guttenberg, der sozusagen als vollwertiges hochrespektiertes Mitglied der politischen Community galt. Nach seinen Fehltritten gab es im journalistischen Feld das Signal: Feuer frei! Nicht anders bei Andreas von Bülow. Ein im Prinzip verdienter ehemaliger Politiker, der durch seine Arbeit in einem Ausschuss, in dem sich auch intensiv mit Geheimdiensten beschäftigt wurde, sich ein entsprechendes Wissen über die Machenschaften der Dienste angeeignet hat. Da er eine Mainstream abweichenden Meinung mit Nachdruck vertrat, wurde er aus dem Kreis legitimer Gesprächspartner verbannt. Im Interview mit Bülow spürte die Moderatorin Sandra Maischberger wohl sehr genau: hier ist nichts mehr mit Nichtangriffspakt. Bülow ist „vogelfrei.“  
Ganz anders bei der Bundespressekonferenz in 2009. Schauen Sie sich mal an, wie sich Journalisten verhalten, wenn sie das Zweckbündnis zwischen ihnen und der Politik hegen und pflegen. Sie erinnern sich daran: Der niederländische Journalist Rob Savelberg stellte an Schäuble die „100.000 Mark Frage“.

[Anm.: Es handelt sich um folgende Szene ]


Eine ausgezeichnete Frage. Und dann schauen Sie mal auf die Reaktion seiner Kollegen. Niemand kommt ihm zu Hilfe, niemand unterstützt ihn. Das ist der Nichtangriffspakt in Formvollendung. 

Aber verzeihen Sie mir, ich weiche etwas ab. Zurück zu ihrer Frage.  Gewiss spielen finanzielle Interesse eine große Rolle im Journalismus. Und die Prinzipien des „manufacturing consent“ sind am Wirken. Einflüsse von außerhalb auf die Medien gibt es zu genüge. Über das tatsächliche Ausmaß kann man spekulieren. Die große Medienverschwörung sehe ich jedoch nicht. Die Dinge sind viel subtiler. 

 
(F): In Ihrem Buch analysieren Sie sehr gelungen die unfairen Attacken der Medien gegen die Zweifler. Ich vermisse den anderen Part, den Medienkritiker John Pilger als die Nachrichtenmanipulation durch Auslassung bezeichnen würde.
http://en.wikipedia.org/wiki/John_Pilger#Mainstream_journalism
(Im Link nicht wirklich gut erklärt, gab mal einen Artikel von ihm in 2004, wo der das ausführte, den finde ich auf die Schnelle nicht)
Beispielsweise gab es letztes Jahr im Februar eine Presse-Konferenz im Washingtoner Presseklub zum Anlass des 1000. Mitglieds bei den Architekten und Ingenieuren für 9/11 Truth.  Und im September eine PK ebenfalls in Washington, mit Angehörigen-Opfern und hochrangigen Politikern, etwa Senator Mike Gravel. Kein einziges Medium in der westlichen, angeblich freien Welt hat darüber berichtet. Nur in China und Russland war das eine Meldung wert.
Oder die wissenschaftliche Studie über die mutmaßlich gefundenen hochenergetischen Reste im WTC Staub. Es herrscht eine Quasi-Zensur, die nicht mal der ehemaliger Mitherausgeber des Wall-Street-Journals, Paul Craig Roberts aufbrechen kann. Warum kommt dieser Teil bei Ihnen im Buch zu kurz? 
Ist das nicht auch ein Teil des „Kampfes um die Wahrheit“, in dem durch Nichtberichterstattung ein Zerrbild der Realität erreicht wird?
 
(A): Selbstverständlich. Sie kennen den alten Spruch die Nachricht, die nicht gemeldet wird, existiert nicht. Aufgabe von Journalisten ist es, „sichtbar zu machen”, also über die Dinge, die sich in einer Gesellschaft ereignen und auf der Welt passieren, zu berichten. Viele Journalisten haben aber leider einen sehr eingeschränkten Blick. Sie erinnern sich bestimmt: Es gab Tage, da dachte man die Welt würde nur noch aus Kachelmann bestehen... 
Doch die interessantere Frage in diesem Zusammenhang ist doch: Warum lassen Journalisten bestimmte Nachrichten oder Informationen einfach außen vor? Sind wir nun doch bei der großen Verschwörung angelangt? Ist das der Beweis dafür, dass es doch eine Art zentrale Steuerungsinstanz gibt, die gezielt Informationen unterdrückt? 
Nein, sehen Sie, die viel wahrscheinlichere Variante ist eine ganz andere und diese liegt wiederrum tief im Innern des journalistischen Feldes: Journalisten wissen nun mal sehr gut, welche Meldungen, welche Informationen „anschlussfähig” sind, also zu einem möglichst reibungsfreien Ablauf der „systemischen Prozesse” führen und welche zu (unerwünschten) Irritationen führen. Stellen Sie sich mal vor sie sind Redakteur, Sie arbeiten bei einer großen Tageszeitung und Sie sitzen mit ihren Kollegen in der Redaktionskonferenz, man bespricht, welche Themen morgen auf Seite 1 landen, und Sie schlagen dann vor doch die bald stattfindenden Toronto Hearings zu 9/11 mit auf die Titelseite zu ziehen. 
Zunächst mal wird niemand wissen wovon Sie reden. Irritation Nr. 1. Dann erklären Sie. Sofort werden einige Kollegen ihren Vorschlag als indiskutabel ablehnen. Irritation Nr. 2. Sie halten dagegen, erklären, dass der 11. September doch ein so weitreichendes Ereignis war, dass man doch nicht einfach darüber hinwegsehen könne, wenn hochgestellte Persönlichkeiten eine Neuuntersuchung der Anschläge fordern. Jetzt meldet sich der Herr Chefredakteur zu Wort, der schon seit 5 Minuten nervös mit seinem Hintern auf dem Stuhl hin und her rutscht. Er sagt ihnen, dass es jetzt gut sei, den schließlich habe man einen Zeitung zu machen, man könne nicht den ganzen Mittag über diesen Vorschlag sprechen, d.h., jetzt kommt der Faktor Zeit hinzu, also Irritation Nr. 3. 
Diese Irritationen kommen zwar häufig in Redaktionskonferenzen vor, es gibt unterschiedliche Meinungen, man diskutiert, man streitet, aber alles geschieht in einem ziemlich genau definierten Rahmen, es gibt legitime Meinungen und illegitime Meinungen. Je weiter ein Themenvorschlag im illegitimen Bereich ist, umso stärker sind die Irritationen.  
Die Nichtberichterstattung zu bestimmten Ereignissen dürfte in den häufigsten Fällen also auf systemimmanente Gründe zurückzuführen sein. 


 
 
(F): Sie stellen exemplarisch Ereignisse und Personen vor, die 9/11 Skeptizismus zeigten. Dabei sagen Sie zu Recht, man müsse differenzieren. Doch warum gehen Sie dann nicht auf die Konzepte professioneller Desinformation ein, denen sich der 9/11 Skeptizismus quasi zusätzlich auch noch als inneren Feind stellen muss? Nicht zuletzt seit Cass Sunstein sollte klar sein, dass auch dies ein Teil des Kampfes um die Wahrheit sein dürfte. Ohne eine Aufarbeitung der Methoden, wie man Desinformation erkennen kann, sehen wir 9/11-Sekptiker ziemlich alt aus, weil man uns ständig in einen Topf mit den verrücktesten Theorien werfen kann- die dann munter widerlegt werden

(A): Natürlich haben Sie Recht: Politische Gruppierungen, die auf die eine oder andere Weise aktiv sind, sich am politischen Diskurs beteiligen, sich vielleicht sogar durch eine kontroverse Meinung  bemerkbar machen, geraten schnell in das Visier bestimmter staatlicher Gruppen. Man muss sich nur anschauen, was in den USA zur Zeiten des Vietnam-Krieges passiert ist. Selbst die harmlosesten Aktivistengruppen wurden beobachtet und infiltriert. 

Bei dem 9/11 Truth Movement dürfte es nicht anders sein. 
 
 
 
 (F):: Die tradierte Geschichte einer politischen Bewegung ist immens wichtig. Sie liefern nur einen kurzen Überblick. Gab es Vorgaben von Ihren Verlag, Inhalte zu kürzen oder zu regidieren, bei denen Sie das Gefühl hatten, dass man diese nicht veröffentlichen wollte?


(A): Nein, überhaupt nicht. Was den Inhalt angeht, hatte ich freie Hand. Allerdings gab es klare Vorgaben, was den Umfang angeht. Das ist üblich. Zu dem Thema hätte ich ohne Probleme 500 Seiten schreiben können, aber dann kostet ein Buch halt keine 16,90 mehr, sondern 30 Euro und mehr. Und Sie wissen, dass die ökonomischen Zwänge im Verlagsgeschäft groß sind. 


(F): Sie schreiben, „In Ansätzen hätte sich das ZDF der Thesen der Skeptiker angenommen, doch waren die Dokumentationen, die daraus entstanden sind, zu halbherzig, sie können kaum als ernsthafte Versuche betrachtet werden, innerhalb der großen Medien eine ernsthafte Debatte über den 9/11 Skeptizismus zu eröffnen“. Da ich die Arbeiten des ZDF die letzten Jahre begleitet habe,  

[Anm.: es handelt sich um folgende Arbeiten:
http://www.habiru.de/Dirk_Gerhardt/ZDFAbgabe.pdf
http://www.habiru.de/Dirk_Gerhardt/ZDFDritterTurm.pdf
http://www.habiru.de/Dirk_Gerhardt/ZDF-ONeill-Version1.pdf ]

kann ich sagen, dass ich diese Dokumentationen nicht „halbherzig“ fand, sondern dass diese mit der gleichen Absicht produziert wurden, wie die von Ihnen per Sequenzanalyse auseinander genommenden Beiträge. Ihre Meinung dazu? 
 
(A): In diesen Dokumentationen ist man zumindest – ich sag das jetzt mal unter fetten Anführungszeichen -  relativ sachlich auf die Thesen der Skeptiker eingegangen. Dass das ZDF nach seiner Auffassung die Thesen der Skeptiker widerlegt haben will, muss man erst einmal so hinnehmen. Immerhin wurde, soweit ich mich recht erinnere, ohne Diffamierungs- und Psychiatrisierungsansätze gearbeitet. Ein Schritt in die richtige Richtung. Der zuständige Reporter, Michael Renz, hat klar in der Pressemitteilung zur ersten Doku in 2007 mitgeteilt, dass die Erfahrung, die er bei seiner Recherche gemacht hat, zum Nachdenken Anlass gibt. In einer Pressemittelung vom ZDF heißt es, dass Renz auf eine Mauer des Schweigens getroffen sei, als er den Verschwörungstheorien nachgehen wollte. Immerhin. 
Was aber nun wirklich gar nicht geht ist, wenn Geschichtsfachmann Guido Knopp, der hinter der Doku stand, sagt, die „Dokumentation wolle vor allem den im Internet kursierenden Verdächtigungen entgegenwirken.” Natürlich kann man da nicht mehr von einer ergebnisoffenen Recherche sprechen. 
 
 
(F): Als Journalist ist es Ihre Aufgabe, neutral und mit Abstand über eine Sache zu berichten. Haben Sie schon mal von dem Fall gehört, in dem ein Journalist in den USA neutral von einer 9/11 Truth-Konferenz berichtete, und er hinterher von „Debunkern“, dass sind die Leute, die per Agenda-Weltsicht pauschalierend sagen, alle Verschwörungstheorien seien Unsinn, bei seinem Arbeitgeber angeschwärzt wurde- so dass er sich rechtfertigen musste, kein „Truther“ zu sein. Er sagte, wenn er von einer Konferenz über Homosexuelle berichten würde, ginge ja auch niemand automatisch davon aus, dass er ebenso einer sei- so etwas sei ihm auch noch nie untergekommen. Besteht die Gefahr, dass durch solche fehlgeleitete Leute ein gewisser Druck auf Journalisten entsteht, bestimmte, unbequeme Themen lieber nicht zu berichten?

(A): Von dem Fall habe ich gehört. Ja, diese Gefahr besteht natürlich. Aber Journalisten setzen sich immer dem Druck aus, kritisiert zu werden und sich rechtfertigen zu müssen, wenn sie etwas journalistisch aufarbeiten, was bestimmten Kreisen nicht schmeckt.

 
(F): Unabhängig von Ihrer redaktionellen Neutralität: Was ist Ihre persönliche Meinung. Reichen die offenen Fragen, eine Neuuntersuchung zu rechtfertigen? Sofern dies nicht möglich ist, was denken Sie, wie geht die Sache weiter? 


(A): Daran besteht meines Erachtens kein Zweifel. Wir müssen noch nicht mal bei den Fragen ansetzen. Wir müssen nur den Blick auf die 9/11 Commission richten. Dann sehen wir eine Untersuchungskommission, die zunächst von den politisch Verantwortlichen verhindert wurden sollte, wir sehen einen Vorsitzenden, nämlich Henry Kissinger, der schon nach kürzester Zeit zurücktreten muss, wir sehen eine Untersuchungskommission, die zu wenig, Geld, zu wenig Personal bekommt, wir sehen hochrangige Vertreter der Regierung, die nicht Aussagen wollen, dann nur zu zweit Aussagen wollen, dann nur hinter verschlossenen Türen, wir hören von einer Behinderung der Kommissionsarbeit, wir hören von der Zurückhaltung von wichtigen Unterlagen vor den Kommissionsmitglieder, wir hören von einem Zelikow, der bereits von Beginn an klar stellte, was untersucht werden sollte und was nicht, wir hören von einem Family Steering Committee, also einem Zusammenschluss der Opfer des 9/11-Terrors, die entsetzt darüber sind, dass ihre Einwände gegen die Ermittlungen nicht berücksichtigt werden und dann lesen wir in einem 2007 veröffentlichten Buch des Vorsitzenden der Kommission, Thomas H. Kean, der schreibt: "We were set up to fail", wenngleich er sich mit der Aussage auch nur auf die Anfänge der Ermittlungen bezog. Im Nachhinein hat er das Endergebnis ja durchaus gelobt. Und dennoch: Alleine schon angesichts dieser Gesamtumstände  ist die Forderung nach einer neuen, unabhängigen Untersuchung, mehr als gerechtfertigt. Und dann kommen da ja noch die ein oder andere offene Frage dazu...

Allerdings bezweifle ich sehr, dass es diese unabhängige Untersuchung in den nächsten Jahrzehnten geben wird. Wer sollte die Untersuchung durchführen? Die Untersuchung brächte ja nur etwas, wenn eine unabhängige Stelle, die von allen anerkannt wird, sich dem Fall annehmen würde. Aber eine offizielle neue Untersuchung, käme Sie von einer Stelle außerhalb der USA, würde von den USA wohl als Unverschämtheit betrachtet, diplomatische Erschütterungen, offener Streit wären die Folgen. Kein Land, keine Institution würde diese Folgen in Kauf nehmen. Und die Länder, die dazu bereit wären, haben kein Gewicht. Bleibt noch die Untersuchung durch die USA selbst. Angenommen in den USA käme es durch gewichtige Persönlichkeiten zu einer Neuuntersuchung. Und angenommen, die Neuuntersuchung wäre durch die ausgewählten Personen in der Tat bereit, sich kritisch und unabhängig mit dem Fall auseinanderzusetzen: Glauben Sie wirklich, von bestimmten Seiten würde dann nicht alles versucht, um diese Untersuchung zu sabotieren. Nein, tut mir leid, aber an eine Neuuntersuchung glaube ich nicht, selbst wenn ich diese für dringend notwendig halte. 

(F): War der 11.09.2001 ein Inside Job?

(A): Es ehrt mich wohl, wenn Sie glauben, ich wüsste, ob 9/11 ein Inside Job war. Aber Spaß beiseite: Woher soll ich wissen!, dass die Anschläge beispielsweise eine False Flag Operation waren? 
Nein, das weiß ich nicht. Ich kann sagen, dass es Auffälligkeiten gibt, die zumindest merkwürdig sind und denen in einer unabhängigen Untersuchung nachzugehen ist. Und zwar nicht, um nachzuweisen, dass 9/11 ein Inside Job war, sondern um bestimmte Sachverhalte sauber aufzuklären. Die dann zu Tage kommenden Ergebnisse müssten dann die Basis für weitere Schritte bilden, wenn sie nötig sein sollten. Eines der Kernprobleme, sowohl aufseiten der Medien genauso wie aufseiten der Skeptiker ist, dass beide Seiten Wissen durch einen starken Glauben ersetzen. Es wird sehr viel geglaubt, gemutmaßt, es werden Hinweise, Indizien und Fakten, beziehungsweise das, was man als Hinweise, Indizien und Fakten bewertet, in die eigene Wirklichkeitskonstruktion eingebunden. Wer als Truther ein Foto von fehlenden Trümmerteilen am Pentagon im Internet sieht und laut: Inside Job ruft!, macht es sich zu einfach. Wer als Medienvertreter unhinterfragt die Osama Bin Laden These in seine Berichterstattung einbaut, handelt journalistisch unverantwortlich. Die Frage ist zunächst mal nicht, ob 9/11 ein Inside Job war, sondern ob die Terroranschläge aufgeklärt wurden. Und das wurden sie mit ziemlicher Sicherheit nicht – zumindest nicht sauber. Da muss man ansetzen.

(A): Herr Klöckner, vielen Dank für dieses überaus aufschlußreiche Interview!

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Dirk Gerhardt

Dirk Gerhardt

Seit 2002 als engagierter 9/11 Beobachter im Internet unter dem Namen Sitting Bull bekannt.

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